Dienstag, 11. April 2017

Minimalismus Level 2: Aussortieren obwohl der größte Mist schon weg ist

Lange gab es hier schon keine Beiträge zum Thema Minimalismus mehr. Das liegt nicht daran, dass ich es nicht mehr erstrebenswert finde, keinen unnötigen Scheiß zu besitzen, sondern viel mehr daran, dass mir ganz plötzlich klar wurde, wie viel unnötigen Scheiß ich eigentlich noch habe. Und das, obwohl ich doch schon so viel aussortiert habe.
Das sorgt natürlich nicht unbedingt dafür, dass ich mich wie ein weiser Minimalismusguru fühle und Tipps zum Thema geben will. Schließlich gilt es zuerst das eigene Chaos zu bewältigen.

Bevor ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, habe ich Berge von Kleidung, Schreibutensilien, Büchern und Bastelzubehör aussortiert. In das kleine WG Zimmer passte immerhin nur eine begrenzte Menge an Gegenständen und ich kann mich sehr gut erinnern, wie stolz ich war, dass ich all meine Sachen auf den paar Quadratmetern ordentlich verstauen konnte.
Als ich nun aber kürzlich für einen weiteren Umzug gepackt habe, kam ich ins Staunen, was ich trotz vorheriger groß angelegter Ausmistaktionen so besaß. Das war wohl kein ordentliches Verstauen, sondern eher tetrisartiges Einsortieren von zu viel Kram auf engstem Raum gewesen.

Sechs - wirklich sehr gute - Radiergummis, ein Dutzend neuer karierte Blöcke, Aquarellfarben und dazugehöriges Papier, Blöcke von Buntpapier, bestimmt acht verschiedene hübsche Bettbezüge plus Laken, mehr gemütliche Gammelklamotten als es je freie Tage geben kann und so weiter. Den richtig schlimmen Kram hatte ich im ersten großen Durchgang des Aussortierens schon erledigt. Es war so schön einfach, all das zu verschenken, zu spenden oder zu entsorgen, was ich definitiv seit Ewigkeiten nicht mehr angefasst hatte oder einfach nur noch furchtbar fand. Aber was ist mit den Dingen, von denen man genau weiß, dass sie eigentlich überflüssig sind, die aber dennoch völlig neu sind? Vielleicht brauche ich meinen Vorrat an Radiergummis und Blöcken ja noch einmal dringend!

Es gibt scheinbar Menschen, die von Natur aus minimalistisch zu sein scheinen ohne sich darüber Gedanken zu machen.
Mein Freund ist einer dieser Menschen. Die Schränke waren einfach gefühlt zur Hälfte leer, ein Viertel gefüllt mit den wenigen Sachen, die er wirklich braucht und benutzt und das andere Viertel belegt von Dingen, die man mal geschenkt bekommen hat und nicht wirklich mag, defekten alten Dingen und sicherheitshalber aufbewahrten Originalverpackungen. Es war so einfach, klar zu entscheiden, was von diesen Dingen bleiben kann und was weg kommt. Sentimentale Gegenstände gab es kaum und das was dar war, passt in einen Schuhkarton.

Bei mir dagegen war es komplizierter. Aus meinen Schränken war der unnütze, veraltete oder defekte Rumpelkram, von dem man sich leicht trennen kann, auch schon längst aussortiert.
Blieben nur noch die zahlreichen Duplikate eines benutzten Gegenstandes, die Vorräte und die Dinge, die ich einst geschätzt und benutzt habe aber es schon lange nicht mehr tue sowie ein Berg sentimentaler Stücke. Da ich aber auch die neue Wohnung nicht direkt zum Einzug mit besagtem unnützen Scheiß vollstellen wollte, habe ich mein bestes gegeben, mich von überflüssigem Besitz zu trennen.
Im Nachhinein habe ich mit folgenden Strategien entschieden, was in die neue Wohnung mitkommt und was nicht.

Duplikate reduzieren
Schöne Bettwäsche ist etwas wundervolles aber zu viel davon stellt am Ende nur den Schrank voll. Gleiches gilt für Handtücher, Küchentücher, Stofftaschentücher und so weiter. Zwar hat Oma immer schon gepredigt, man müsse möglichst viele bestickte Tischdecken und Bettlaken haben, falls mal Gäste kämen oder es einen besonderen Anlass gäbe, doch ganz im Ernst: wie oft passiert so etwas schon? Im Alltag braucht man nur exakt zwei Sets aus Bettlaken und Bezügen und für jede Person im Haushalt je zwei große und kleine Handtücher. Dementsprechend habe ich aussortiert und nun gibt es nur noch zwei komplette Bettwäschesets, viel mehr Platz im Schrank und einen glücklicheren Apfelkern.

Anprobieren statt ordentlich einsortieren
Ich muss gestehen, dass ich einige Kleidungsstücke einfach lange Zeit nur hübsch gefaltet in den Schrank gesteckt habe, statt zu hinterfragen, ob ich sie auch wirklich noch trage. Nachdem ich alte Pullover, Strickjacken oder Hosen anprobiert hatte, wurde mir dann auch klar, warum ich sie so lang im Schrank gelassen hatte.
Schlechte Passformen, komische Schnitte, völlig ausgewaschene Teile oder Dinge, die ich schlicht nicht mehr schön fand. Wie konnten die beim ersten Aussortieren nur durch rutschen?! Ach ja, die zwanzig sackförmigen Teilnehmershirts in absurden Farben sind mit sentimentalen Gefühlen verknüpft, sodass ich auch wenn ich sie nie trage, sie nicht entsorgen konnte. Da hilft es, sich klar zu machen, das Erinnerungen durch zwanzig Eventshirts nicht besser werden oder auch eine ehrliche zweite Person, die einem verrät, wenn man furchtbar in einem Teil aussieht.
Wieder einen Berg für die Kleiderspende. Nur blöd, wenn einem das erst klar wird, nachdem man die Teile schon in Kisten gepackt in die neue Wohnung geschleppt hat...

Überfluss erkennen
Wie viele Socken und Unterhosen hat man eigentlich regelmäßig in Gebrauch? Mit nur zwei Füßen kann man die eingelagerten 100 Paar Sneakersocken und Normalstrümpfe plus zwanzig Paar handgestrickte Wollsocken gar nicht alle tragen. Und so genauso wenig braucht man 60 Schlüpfer. Also hab ich mich einmal durch den Stapel gewühlt, die älteren Modelle allesamt raus geschmissen und bin jetzt sehr erleichtert, nicht mehr von der riesigen Auswahl überfordert zu sein, sondern stattdessen genau zu wissen, was in meinen Schubladen liegt. Nicht, dass die Hälfte der vorher besessenen Dinge jetzt wirklich wenig wäre, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Ehrlichkeit sich selbst gegenüber
Auch wenn das Traumfängerbastelset und das Buntpapier oder die Pastellkreiden quasi originalverpackt waren und nur dazu einluden, kreativ zu werden, habe ich sie nie angefasst, seitdem ich sie nach meinem letzten Umzug in die Schublade sortiert hatte.
Aktuell habe ich in meinem Alltag nur wenig Zeit für meine geliebten kreativen Hobbys und meine Nummer eins, was das angeht, ist unangefochten das Stricken. Die Wollschublade wird regelmäßig geöffnet und mit glückselig-irrem Grinsen durchwühlt, aber alle anderen Bastelutensilien werden ignoriert.
Dementsprechend habe ich sie schweren Herzens an eine Freundin weiter gegeben, die in ihrem Künstlertreff bessere Verwendung für die Materialien finden wird. Vor vier Jahren war ich vielleicht noch der Mensch, der all diese Sachen mit Freude selbst kreativ benutzt hätte, doch inzwischen habe ich mich einfach in eine andere Richtung entwickelt, sodass es nur logisch ist, mich von diesen Dingen zu trennen, die zum Schluss nur noch Platz weg nahmen.

Sort as you go
Inzwischen glaube ich nicht mehr daran, dass man in einer großen Ausmistaktion wirklich alle Dinge aussortieren kann, die man nicht braucht. Manchmal erkennt man erst im Alltag, dass die gemütliche Strickjacke schon viel zu fusselig ist, um sich dafür nicht zu schämen und kann sie dann zur Kleiderspende bringen. Man muss erst frustriert mit dem billigen Küchentuch versuchen, ein Glas zu polieren, bis man sich selbst gegenüber ehrlich genug sein kann, dass man es loswerden sollte zugunsten der (*hust* übrigen vierzehn *hust* ) guten Tücher. Und so kann man auch Schritt für Schritt ohne zusätzlichen großen Zeitaufwand die Wohnung und den Inhalt der Schränke optimieren.

Es ist ein Prozess
Am Ende des Umzugs stand ich da mit noch einer Kiste voller Kram. Sentimentale Gegenstände wie alte Postkarten mit berührenden Worten von lieben Menschen, einen Haufen handgeschriebener Tagebücher, Muscheln aus vergangenen Strandurlauben und Kosmetikpröbchen in einer Menge als wäre ich ein Drogeriekleinhandel. Wohin damit? Es sind Dinge, die im täglichen Leben nicht wirklich benötigt werden und deshalb spontan auch keinen Platz fanden.
Ob es mir aufgefallen wäre, wenn meine Muscheln oder die Pröbchen beim Umzug verloren gegangen wären? Sicher nicht.
Die Karten und die Tagebücher haben für mich einen zu hohen persönlichen Wert, um sie einfach zu entsorgen auch wenn ich sie nicht jede Woche in die Hand nehme. Alles andere aber hat keine gute Erklärung dafür, bleiben zu dürfen.
Pröbchen, Kerzenhalter und ähnlichen Kram kann ich leichten Herzens zum Schenkflohmarkt bringen auf dass jemand mehr Freude daran hat. Aber bis ich erkenne, dass meine Urlaubserinnerungen nicht besser werden, nur weil ich eine Tüte Muscheln hier stehen habe, dauert es noch ein wenig.

Nach meinem letzten großen Aussortieren vor einem Jahr dachte ich, dass ich unglaublich weit in der Optimierung meines Besitzes wäre. Mir war nicht klar, wie weit diese Vorstellung von der Realität abwich. Umzüge sind die perfekte Gelegenheit, sich aktiv auseinanderzusetzen, was man wirklich besitzen will und was man nur aus Gewohnheit im Schrank lagert. So haben dieses mal acht Umzugkartons statt wie beim letzten mal dreizehn gereicht, um meine Sachen zu transportieren.
Damit habe ich noch immer eine ordentliche Menge an Dingen aber ich fühle mich viel wohler mit dem, was ich habe und mit dem was ich nicht mehr habe und das so auch nicht mehr herum liegen kann.

Das beste am ganzen Aussortieren ist nämlich, am Ende keine überfüllten Schubladen zu haben, genau zu wissen, wo was in der Wohnung liegt und sich nicht mit dem herum plagen zu müssen, was man gar nicht braucht und was dennoch die Oberflächen und Schränke blockiert.
Es ist alles ein Prozess und auch wenn ich gerade einen riesigen Fortschritt gemacht habe, wird es noch eine ganze Weile dauern, bis ich am Ziel angekommen bin, insofern es denn überhaupt ein Ziel beim Minimalismus gibt, da es ja am Ende eine Lebensweise ist. Bis dahin genieße ich den Zwischenstand und denke daran, ab und zu etwas auszusortieren und mir dafür mental auf die Schulter zu klopfen, dass ich so weit gekommen bin. Auch wenn ich mich mit all den Dingen, die ich so habe, mich nicht öffentlich als minimalistisch bezeichnen würde.

Wie geht es euch mit dem Aussortieren nachdem der einfache Teil schon erledigt ist?

Samstag, 18. März 2017

Fromage, fromage!: Reiseeindrücke aus Paris

Es sind Semesterferien und damit ist Zeit für eine Reise. Oft lasse ich mich ja von den aktuellen Flugpreisen inspirieren, was das nächste Reiseziel angeht, doch dieses mal war ich mir schon vorher sicher: ich wollte meine Angst überwinden und nach Paris reisen.

Nun fragt sich: weshalb denn Angst, nach Frankreich zu fahren?! Immerhin ist es ja weder weit weg noch sonderlich exotisch.
Ganz einfach lässt sich diese Frage beantworten. Natürlich ist Frankreich ein zivilisiertes Nachbarland, doch in der Schule habe ich nie Französischunterricht gehabt und da es immer heißt, die Franzosen würden alles andere außer ihrer eigenen Sprache verachten und meiden, habe ich Frankreich als Reiseziel einfach mal von meiner mentalen Liste gestrichen. Hilft ja nix, wenn es hübsch da ist aber die Einheimischen die Kommunikation mit mir verweigern.
Irgendwann habe ich aber erfahren, dass in Paris die staatlichen Museen für unter 25 jährige EU Bürger kostenlos zu besuchen sind und da mich die Hauptstadt des Nachbarlands mit der merkwürdigen Nasalsprache dann doch schon interessierte, habe ich beschlossen, vor meinem 25. Geburtstag dort hin zu reisen. Und genau das habe ich kürzlich umgesetzt.

In diesem Artikel möchte ich euch ein paar meiner Eindrücke aus Paris zeigen und gleichzeitig einige Besuchempfehlungen aussprechen.
Angereist sind wir mit dem Flugzeug und ich kann nur immer wieder betonen, wie genial es ist, mit Handgepäck zu reisen. Keine Extrakosten zum Einchecken, man macht sich bewusst, was man wirklich braucht und einpacken will und noch dazu kann man ganz bequem alles immer dabei haben. So kann man sich auch direkt den Rucksack über werfen und vom Flughafen aus sofort das Abenteuer in der Stadt beginnen.

Just walk
Wie immer gilt für das Besuchen von Städten, dass man zu Fuß durch die Straßen laufend die Atmosphäre am besten mitbekommt. Noch dazu kann man ganz spontan anhalten, in Geschäfte rein schnuppern oder auf andere Verkehrsmittel wechseln. Und es ist mindestens so gesund wie kostengünstig.
Jede Stadt scheint so ganz typische Bauweisen zu haben und für Paris sind das definitiv die hohen Altbauten mit schmalen Fenstern vor denen ein eisernes Gitter befestigt ist. Auch interessant: die Deckenhöhe der Altbauten ist niedriger als das, was ich aus Berlin gewohnt bin.
Wenn man die Sprache nicht versteht, kann das zu sehr viel Frust aber auch zu lustigen Situationen führen. Zum Beispiel, wenn man sich wundert, weshalb unter Straßenschildern regelmäßig SAUF steht. Ist das etwa ein Trinkspiel für Verkehrsteilnehmer?!
Das Wörterbuch gibt Entwarnung und verrät, dass es ganz langweilig ist und nur "außer" bedeutet. Trotzdem absurd für deutschsprachige Personen ohne Französischkenntnisse.

Der Triumphbogen



Le Parthenon

Notre Dame 

Boulangerie, Boulangerie, Boulangerie!

Also wenn man sich vornimmt, sich vor dem Urlaub nur zehn grundlegende französische Wörter wie Hallo, Bitte, Danke und Auf Wiedersehen anzueignen, sollte man absolut darüber nachdenken, den Begriff "Boulangerie" zum Vokabular hinzuzufügen. Denn das bedeutet Bäckerei, was in Frankreich nicht nur Verkaufsort schnöder Brötchen bedeutet, sondern Quelle von unverschämt fluffigem Gebäck und sündhaft guten Süßigkeiten.
Ohne Witz: so gutes Hefegebäck (Fachbegriff: Brioche) habe ich noch nie gegessen. Dank der Unmengen an Boulangerien konnten wir auch jeden Morgen einen neuen Bäcker ausprobieren.

Meine persönliche Top 5 der Bäckereieroberungen:
  1. fluffig-saftiges Brioche
  2. Tarte au Citron
  3. gefüllte Eclairs
  4. Macarons: völlig überteuert aber eben doch verdammt lecker.
  5.  außen knuspriges, innen weiches Baguette


Tarte au Citron, Brioche, Baguette, Macarons, Eclair!

Um an all diese Leckereien zu kommen, habe ich auch mein bestes Fantasiefranzösisch ausgepackt und mit "Un brioche y …äh…et…un baguette por favor…sil vous plä!" irgendwie am Ende tatsächlich das bekommen, was ich wollte. Schon krass, wie sehr das Hirn einfach spanisch sprechen möchte, wenn die Vorgabe ist, dass Englisch sowieso nicht funktioniert.

Mich auch wirklich überrascht, wie wenig weit man mit Englisch kam. Noch nie habe ich die Sprachbarriere so hart zu spüren bekommen.
In den extrem stark von Touristen besuchten Orten wie Museen konnten die Mitarbeiter schon grundsätzlich die regelmäßig verwendeten Phrasen aber alles darüber hinaus ging gar nicht. Und in den normalen Supermärkten schien nahezu niemand englisch zu sprechen und wenn dann nur sehr gebrochen. Leider galt das auch für die jüngeren Leute, von denen ich wirklich nicht gedacht hätte, dass sie ohne nennenswerte Englischkenntnisse durchs Leben gingen.
Die ganzen Klischees und Vorurteile zum Thema Sprache scheinen tatsächlich nicht ohne Grund zu existieren.


Haute Cuisine
Eins der wenigen französischen Wörter, die ich noch kenne ist Haute Cuisine. Das bedeutet nicht - wie man auf den ersten Blick meinen könnte - verdroschene Tochter des Onkels, sondern (hoffentlich) hohe Küche und damit Kochkunst. Und das haben die Franzosen auch drauf.
Zwar ist das Essen durchschnittlich definitiv teurer als in Deutschland aber auch im Durchschnitt besser. Am Essen wird nicht geknausert und das schmeckt man.

Die Flammkuchen aus der Bäckerei sind nicht wie die gewöhnliche Ditsch Pizza nur fettig und kostengünstig in Massenproduktion vorgebacken sondern haben eine wirklich gute Teigbasis, sind mit richtigem Käse belegt und perfekt gewürzt.
Dank meiner Vorliebe für Essen habe ich gelernt, dass eine Brasserie ein Zwischending zwischen Restaurant und Bar ist. Man kann sich zum Drinks schlürfen verabreden aber gleichzeitig etwas besseres als nur einen Snack zu essen bekommen.
Das haben wir ausgenutzt und uns in einer Brasserie durch die Karte probiert. Und was läge näher als bei im Alltag nahezu ausschließlich vegetarischer  Ernährung das Steak Tartar zu probieren? So rohes, klein gehacktes Rind mit Gewürzen klingt spontan nicht zu verlockend, doch ich muss zugeben, dass es mich geschmacklich absolut überzeugt hat. Die Sache mit dem Essen haben die Franzosen halt echt drauf. Und Süßspeisen sowieso. Arme Ritter aus Baguette mit Salzkaramell aka pain perdu (Apfelkern Translator: verlorene Schmerzen) waren einfach göttlich. Reisen nach Frankreich sind offensichtlich kein guter Moment, Kalorien zählen zu wollen.

Pain perdu, Steak tartare, Flammkuchen

Meine Top Sehenswürdigkeiten
So viel zum Allgemeinen. Was sind nun aber die Sehenswürdigkeiten, die ich zu besuchen empfehlen würde?

Tour Montparnasse
Den 210 Meter hohen an sich nicht besonders gut aussehenden Turm kann man während man durch den Stadtkern läuft fast immer sehen. Wenn man sich dann gönnt, die Eintrittsgebühr von unverschämten 15 Euro beziehungsweise noch immer überteuerten 12 Euro für Studenten, kann man von der Spitze des Turms aus die ganze Stadt bewundern.
Wir waren zufällig genau zum Sonnenuntergang dort, sodass wir einmal die Stadt mit den wirklich gut sichtbaren berühmten Bauwerken einmal im Tageslicht und direkt danach in beleuchteter Pracht unterm Nachthimmel bewundern konnten. Perfekt, um Bilder von Paris zu machen, auf denen man den Eiffelturm auch sehen kann.

Auf dem Dach gibt es auch noch eine kleine Eislaufbahn, die immerhin im Eintritt ingbegriffen ist. Aber Achtung: als ich voller Freude in Schlittschuhen auf die Bahn hüpfte, fiel mir direkt auf, dass es sich gar nicht um Eis, sondern um Kunststoffplatten handelte. Darauf ließ es sich absolut nicht gleiten; das einzig mögliche Manöver war, ständig weg zu rutschen. Keine Empfehlung für die Kunststofflaufbahn aber dafür eine umso größere für die Aussicht vom Turm.






Louvre
Wenn eins der zahlreichen Museen in Paris sich weltberühmt nennen darf, dann ist es definitiv das Louvre. Es ist eins der größten Museen der Welt und von außen betrachtet noch dazu eins der Wahrzeichen von Paris. Nachdem man kostenlos zahlreiche Bilder von den Glaspyramiden des Louvre gemacht hat, kann man als junger Mensch kostenlos oder für 15 Euro durch eine Pyramide dieses gigantische Kunstsammlung betreten. Von Plastiken, Skulpturen über Altäre und Gemälde kann man sich in einem wahren Überfluss an Kunst satt sehen. Auch wenn man nach ein paar Stunden absolut nicht mehr aufnahmefähig ist, wenn es darum geht, meisterhafte Kunst wertzuschätzen, sollte man sich die Mona Lisa nicht entgehen lassen. Es lohnt sich allein schon, um die sich davor drängenden Menschen zu beobachten. Wirklich sehr interessant, was manche Leute so machen, um ein Foto von sich vor der Mona Lisa ohne andere Personen im Bild zu bekommen.

Vor dem Louvre

Suchbild: Wo ist die Mona Lisa nur?

Sacre coeur
Auf der höchsten natürlichen Erhebung, dem Montmatre, sieht man schon aus der Entfernung eine helle orientalisch anmutende Kirche mit Zwiebeltürmchen. Zu Fuß gelangt man über schmale Treppen auf den Montmatre, alternativ bringt einen auch eine Seilbahn nach oben. Dort angekommen kann man eine großartige Aussicht genießen und nachdem man sich genug Wind um die Nase wehen lassen hat auch in den Sakralbau hinein gehen.
Der Eintritt ist - wie es sich meiner Meinung nach für Gotteshäuser auch gehört - kostenlos. Innen kann man dann das prächtige Deckenmosaik betrachten. Allein die Größe der katholischen Wallfahrtskirche ist beeindruckend.


Versailles
Nicht ganz innerhalb der Stadt gelegen ist das prachtvolle Schloss von Versailles, einstiger Sitz des französischen Königs bis zum Ausbruch der Revolution. Wenn es ein Beispiel für barocke Baukunst gibt, das immer wieder aufgeführt wird, dann ist es der perfekt geometrisch und symmetrisch angelegte Schlossgarten in dessen Mitte das prunkvoll dekorierte Schloss steht. Selbst die verschwenderisch vergoldeten Zaunspitzen können einen nicht darauf vorbereiten, was für eine verschwenderische Fülle von Kunst einen im Inneren erwartet. Minimalist war der gute Sonnenkönig Ludwig absolut nicht.
Durch die überwältigenden Empfangssäle, Schlafgemächer, Spiegelsäle oder Esszimmer zu spazieren und sich vorzustellen, was für ein Wahnsinn das Leben dort zu Zeiten Ludwig des XIV. gewesen sein muss, ist absolut verrückt.
Im Anschluss durch den Schlossgarten zu wandeln und Menschen beim Rudern auf dem hunderte Meter langen Teich zu beobachten hilft dabei, die Augen ein bisschen zu beruhigen nach den ganzen Eindrücken.
Mit der Regionalbahn lässt sich Versailles vom Stadtzentrum aus in etwa einer halben Stunde erreichen und die Fahrt ist mit knapp vier Euro pro Strecke auch absolut erschwinglich.

Schloss...

…und Garten
Der bisher noch nicht erwähnte Eiffelturm ist eins der bekanntesten Pariser Wahrzeichen und beeindruckend anzusehen aber unterm Strich auch nicht so überwältigend. Das verrückteste ist einfach das Gefühl, plötzlich direkt unter einem Gebäude zu stehen, dass man schon so oft auf Bildern oder in Videos gesehen hat. Bei Nacht in Beleuchtung wirklich gut anzusehen ist der Eiffelturm auch, doch am Ende wäre es mir keine 17 Euro wert, mit dem Fahrstuhl bis auf die Spitze zu fahren.

Aufgefallen sind mir auch die zahlreichen schwer bewaffneten Streitkräfte, die einfach auf der Straße stehen als wäre es normal. Kenne ich aus Deutschland gar nicht und empfand es dementsprechend als irritierend und beunruhigend. Ich durfte sogar erleben, wie sie unverständliche Dinge auf Französisch rufend über einen Platz gerannt kamen und die Einheimischen einfach entspannt weg schlenderten, während ich mich völlig hilflos und verletzlich fühlte, weil ich schon gar nicht verstand, was sie überhaupt riefen. Absolut gruselig.

Alle Klischees vereint auf einem Bild

Unterm Strich kann ich ein klares Fazit ziehen: Paris ist definitiv den Besuch wert! Die Sprachbarriere ist vorhanden und das in einer erschlagenden Stärke aber auch mit Fantasiefranzösisch verhungert man nicht. Allein schon das Erlebnis, plötzlich mit Englisch nicht verstanden zu werden, ist die Reise wert.
Also - egal ob Französischkenntnisse oder nicht, wagt euch nach Paris, denn dort gibt es mehr als nur kitschige Heiratsanträge an jeder Ecke oder Baguettes unterm Eiffelturm.

Montag, 27. Februar 2017

Wer A sagt darf auch B hinterfragen

Vor ein paar Wochen dachte sich mein Vergangenheits-Ich, dass es eine clevere Idee wäre, in den Semesterferien einen Yogakurs zu machen, der um 7:15 beginnt. Dann würde ich wenigstens einmal pro Woche richtig früh aufstehen, in die Gänge kommen, mich bewegen und dann mit einem guten Gefühl in einen produktiven Tag starten. Heute war der erste dieser Kurse und ich habe über die Entscheidungen meines Vergangenheits-Ich geflucht.

Das frühe Aufstehen selbst war zwar ein bisschen anstrengend aber nicht übermäßig grausam. Ein bisschen was gefrühstückt, langsam gespürt, wie sich die Aufregung wegen des Yogakurses einstellte. 90 Minuten Vinyasa Yoga.
Ob die anderen Kursteilnehmer schon weit fortgeschritten sein würden? Den Kopfstand kann ich inzwischen quasi im Halbschlaf, doch alle anderen Umkehrhaltungen wie Unterarmstände oder Handstände sind bei mir nur wackelig und mit Wand drin. Davon abgesehen nagt es auch immer noch an mir, dass ich mir zwar die Beine hinter den Kopf klemmen aber nicht in den Lotussitz falten kann. Aber ich bin ja auch ein Anfänger und da geht das klar, nicht alles zu können.

Voller Erwartung machte ich mich mit meiner Yogamatte unterm Arm auf den Weg zur Turnhalle. Dabei fühlte ich mich ein bisschen wie ein Hipster: in den Tag starten mit Yoga während andere arbeiten, dann noch am besten einen Smoothie mit grünem Gemüse und dazu ein Kaffee mit Sojamilch.
Ich kam in der Halle an, zog mich um in meine sportliche kurze Kleidung und ging in den Sportraum. Zuerst wunderte ich mich, wieso gut die Hälfte der Anwesenden in lange weite Gammelklamotten gekleidet war und dazu Wollsocken trug. Entschuldigen Sie, sind Sie auch zum Sport hier?

Der Kurs begann. Es wurde auf dem Boden liegen geatmet, in Körperteile hinein gefühlt, entspannt. Während die Trainerin eine Viertelstunde lang erzählte, wie ruhig und gelassen Körper und Geist würden, fragte ich mich nach einigen Minuten nicht besonders ruhig und noch weniger gelassen nur noch, wann wir denn zum sportlichen Teil kämen.
Irgendwann setzten wir uns auf, atmeten. Nach der Hälfte der Kurszeit waren wir schon so weit, dass wir uns der Belastung aussetzen, uns in den Vierfüßlerstand zu begeben. Ich kam mir völlig deplatziert vor. Fühlt sich so Seniorensport an? Vorsichtige Gymnastik für Frauen drei Tage nach der Geburt vielleicht? Meine Vorstellung war, dass wir in fließenden Bewegungen über die Matte turnen und am Ende auch hüpfen würden, dabei ins Schwitzen kämen, der Kursleiter uns in den altbekannten Positionen Tipps geben und beim Einnehmen neuer Positionen anleiten würde.
All das passierte nicht. Mir war kalt in den viel zu kurzen Funktionskleidungsstücken, die dafür gedacht waren, dass man sich in ihnen ernsthaft bewegen würde und noch dazu langweilig. Während des ewigen Liegens und Atmens dachte ich einen Moment lang sogar, dass ich gleich einschlafen würde.
Höhepunkte der Anstrengung war es, in die Position der Planke zu gehen. Allerdings folgte direkt der Vermerk, dass wir doch die Knie auf den Boden ablegen sollten, da wir die Position noch wiederholen würden und das durchhalten sollen.
Darf ich bitte mein Geld wieder haben?!

Nach dem Kurs war ich einfach nur enttäuscht. Was war das für ein Sport, in dem man die Hälfte nur herum liegt und atmet? Der Yogakurs im letzten Sommersemester war einfach nur unfassbar herausfordernd, anstrengend und genial gewesen. Jetzt dagegen war es die pure Langeweile.
Yoga hat einfach so viele Strömungen und Facetten, dass man nie ganz genau wissen kann, was man bekommt.

Der Kurs war überstanden und hatte sich komplett anders entwickelt als gewünscht. Was wird aus den restlichen Terminen?
Die wenigen Euros für den Unisportkurs waren bezahlt und würden auch nicht zu mir zurück kommen selbst wenn ich mich beschweren würde, dass es gar kein wirklicher Sport ist, den diese Trainerin da betreibt.
Die Möglichkeiten sind nun entweder hin gehen, dem ganzen noch eine Chance zu geben und mich sehr wahrscheinlich durch die öden und nicht beanspruchenden Übungen zu langweilen oder knallhart die Teilnahmegebühr als Lehrgeld zu verbuchen und nie wieder zum Kurs zu erscheinen.

Was ist wohl wertvoller: meine zwölf bezahlten Euros oder sechs mal neunzig Minuten eines Kurses durchzustehen, der mir sehr sicher nur noch mehr Frust bringt?
Zuerst überlegte ich, dem ganzen noch einen letzten Versuch zu geben, doch gleichzeitig ist mir klar, dass ich in einem Anfängerkurs einfach nicht glücklich werden kann. Ich möchte beim Sport meinen Körper belasten, an Grenzen kommen, meine Grenzen erweitern, schwitzen, innerlich fluchen und nicht ruhig atmend unter einer Decke auf dem Boden liegen und in meinen kleinen Zeh hinein fühlen. Das ist sicher auch eine tolle Entspannungsübung aber eben so gar nicht, was ich mir von dem Kurs erhofft habe.

An sich bin ich ein Mensch, der extrem ungern aufgibt. Lieber Zähne zusammen beißen und durchziehen, um am Ende das Ziel zu erreichen. Zu zweit den zwei Meter hohen Schrank durch die Stadt in die Wohnung schleppen, blaue Flecke vom Abstützen auf den Beinen und der Hüfte davontragen und anschließend noch zwei Tage zuerst Schmerzen und dann nur noch Muskelkater in den Armen zu haben geht klar. Es ist aber wichtig zu wissen, wann es sich lohnt, sich zu überwinden und sich durchzubeißen. Und genau das ist bei diesem eigentlich so unwichtigen Yogakurs einfach nicht der Fall.
Ich habe viel mehr davon, an den Tagen früh aufzustehen und für mich allein ein Yogatutorial zu machen, das mich dann auch wirklich fordert und weiter bringt.

So ein ganz kleines bisschen habe ich zwar trotzdem ein schlechtes Gewissen, den gebuchten Kurs zu schwänzen, doch manchmal muss man ganz bewusst eine zuvor getroffene Entscheidung auch revidieren können. Denn wenn man immer stur an den in der Vergangenheit mit einem ganz anderen Bewusstseins- und Wissensstand gemachten Plänen fest hält, wird man seine Ziele nur schwer erreichen. Wenn es doch nur immer so einfach wäre wie mit einem Sportkurs.

Freitag, 17. Februar 2017

Aus dem Nähkästchen: über das "lustige" Studentenleben

Im Leben gibt es viele Prüfungen, davon sind die wenigsten offiziell so benannt sondern einfach die täglichen Herausforderungen. Manchmal gibt es aber doch diese offiziellen Prüfungen, für die man sich vorbereiten und dann unter großer Aufregung sein Wissen unter Beweis stellen muss. Besonders als Student erlebt man diese Situation regelmäßig.

Vorgestern habe ich meine letzten vier Klausuren für dieses Semester geschrieben und danach direkt gespürt, was für eine Last von mir gefallen ist. Es ist immer wieder schwer zu glauben, wie sehr einen dieser Leistungsdruck belasten kann.
Anfang des Semesters bin ich noch recht entspannt. Ich bereite mich zwar immer brav auf die Veranstaltungen vor und weiß immer, worum es grob gehen wird und bringe im Anschluss meine Notizen davon in eine Form, mit der ich später lernen kann, habe aber noch immer Freizeit. Je näher die Prüfungen kommen, desto weniger wird diese Freizeit.
Man geht morgens in die Uni, kommt am Nachmittag zurück nach Hause und sortiert noch schön seine Aufzeichnungen. Dann hat man sein Tagespensum an aktuellem Stoff geschafft - was aber leider auch nur bedeutet, dass man sich nun ans Lernen machen kann. Und zwar eigentlich open end bis man ins Bett geht, da man ja keine Kinder hat, um die man sich kümmern muss oder irgendetwas, das rechtfertigt, das Lernen zu unterbrechen.

Na klar wird Essen gekocht oder eine halbstündige Sporteinheit eingeschoben, weil das wichtig für Körper und Gesundheit ist, doch am Ende drängt das schlechte Gewissen immer zurück an den Schreibtisch. Und wenn man sich mal erlaubt, eine Folge einer Serie zu schauen, dann piekst das schuldige Pflichtbewusstsein einem immer wieder in den Bauch. 

"Ey du, du bist doch Vollzeitstudent! Nimm mal dein Studium ernst und setz dich an den Schreibtisch. Alles andere ist gerade viel weniger relevant und das weißt du auch. Also hör endlich auf Spaß zu haben und sei nützlich!"

Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen überzogen, aber unterm Strich fühlt es sich genau so an.
Sagten nicht alle immer, die Studienzeit wäre die beste Zeit unseres Lebens, weil wir so energiegeladen, jung und ungebunden wären?
All das stimmt auch, nur irgendwie wurde mir immer verheimlicht, dass so ein Studium verdammt anstrengend ist. Manchmal fühlt es sich so an, als hätte ich zwei Vollzeitjobs: den, bei dem ich in der Uni präsent und aktiv sein muss und dann noch in den Stunden danach am Schreibtisch. 
Kein Wunder, dass die Semesterferien so lang sind: irgendwie muss man ja die gefühlte Belastung von zwei Vollzeitjobs während des Semesters kompensieren. Zum Glück gibt es die ganzen unbezahlten Pflichtpraktika, damit man ja nie vergisst, es wertzuschätzen, wenn man wirklich mal frei hat.

Natürlich hat es auch viele gute Seiten, Student zu sein. Unschlagbare Vergünstigungen (für zehn Euro in die Philharmonie und auf wirklich guten Plätzen Dirigenten von Weltruhm beobachten), preiswerte Unisportkurse mit riesigem Angebot, recht frei einteilbare Zeit, keine Verpflichtungen konkreter Arbeitsstunden pro Woche wie in einem regulären Job. Der große Haken ist, dass man selbst für sich und seinen Erfolg verantwortlich ist. Niemand sagt dir, dass du lernen musst, am Ende des Tages erwarten aber alle, dass du es getan hast. Und wenn nicht hast du ein Problem.

Wenn es darum geht, vernünftig zu sein und sich selbst zu disziplinieren, bin ich ganz vorn mit dabei. Nach neun Semestern Medizinstudium bin ich es aber inzwischen sehr müde, nur in den Semesterferien ein wenig Freizeit ohne schlechtes Gewissen zu haben.
Wie machen das die anderen? Sind die einfach klüger, sodass sie das alles mit links schaffen? Ist es ihnen egal, mit welcher Note sie durch die Prüfungen rutschen und sie spielen vier gewinnt? Wahrscheinlich verschweigen sie auch einfach, welch einen Stress einem das Studium aufbürdet und leiden genauso wie ich.

Das schriftliche Staatsexamen steht bei mir in nicht zu ferner Zukunft an und mir graut bei dem Gedanken daran vor den Stunden des Lernens, der Isolation am Schreibtisch mit einem Berg von Büchern und all den Erlebnissen und Unternehmungen, die ich mir aus Vernunft verkneifen müssen werde.
Das sind so Momente, in denen ich mir wünsche, einfach irgendeine Ausbildung gemacht zu haben. Dann wäre ich längst fertig und hätte mehr Leben vom Leben. Ich würde abends nach Hause kommen und hätte einfach mal frei. Verrückte Vorstellung!
Andererseits muss ich sagen, dass mir die ärztlichen Tätigkeiten unglaublich viel Spaß machen. Mit Patienten zu kommunizieren, Körper zu untersuchen und nach der richtigen Diagnose zu fanden macht einfach Bock. Jemandem helfen zu können ist dazu eins der besten Gefühle, die ich mir vorstellen kann. Kurz: ich bereue es nicht, mich für ein Medizinstudium entschieden zu haben. Ich wünsche mir nur manchmal, dass es schon abgeschlossen wäre und der ganzen Stress hinter mir läge. Denn auch wenn das Berufsleben sicher anstrengend ist: nach Hause zu kommen und wirklich frei zu haben und ohne schlechtes Gewissen selbst seine Freizeit einzuteilen, muss unfassbar gut sein.

Wie geht es den Studenten unter euch: fühlt ihr euch auch so sehr unter Druck gesetzt?

Samstag, 31. Dezember 2016

Der traditionelle Jahresrückblick; 2016er Jahrgang

Noch ein bisschen mehr als 24 Stunden bleiben diesem Jahr 2016 und dann wird es von einem neuen abgelöst. Verrückt, dass ich nun hier sitze und schon wieder einen Jahresrückblick tippe. Die scheinen nur so an mir vorbei zu fliegen, diese Jahre.
Die allgemeine Meinung ist ganz klar, dass 2016 ein beschissenes Jahr war. Europa zerrüttet, Brexit, Flüchtlinge, Anschläge, Donald Trump und auch noch gefühlt die Hälfte der liebsten Prominenten gestorben. Für mich persönlich allerdings war es trotz all dem ein wirklich tolles Jahr. Wenn ich so durch meine Instagrambilder der letzten zwölf Monate scrolle, sehe ich ganz klar, wie viele wirklich glückliche Momente ich hatte und dort geteilt habe.

2016 zum ersten Mal getan?
Zuerst fällt mir da ein, dass ich es zum ersten Mal mit Onlinedating versucht habe. Eine gute Entscheidung; danke für den Schubs in diese Richtung, Karo!

In diesem Jahr bin ich von meinen Eltern in eine WG gezogen und damit so glücklich und inzwischen so daran gewöhnt, dass ich mir wirklich Mühe geben musste, mich jetzt an diesen Punkt zu erinnern.
Ganz unerwartet bin ich zu einem Studentenjob gekommen, in dem ich Dinge lerne und meistens Spaß habe und damit offiziell behaupten kann, dass mein erster Job mir gefällt.
Ein weiterer Erfolg war es, das erste mal komplett frei im Kopfstand zu stehen ohne wild umher zu wackeln, sondern mich dabei wirklich stabil zu fühlen. So ein verrücktes Gefühl, wenn das, was man so lange geübt hat, plötzlich einfach wie auf magische Weise klappt.

2016 nach langer Zeit wieder getan?
Nach drei Jahren Abstinenz war ich wieder einmal auf einem Barcamp unterwegs. Es war sehr inspirierend zu sehen, zu welchen Themen Menschen spontan referieren können. Leidenschaft für etwas zu haben, macht Menschen unfassbar interessant.

2016 leider gar nicht getan?
Trotz des ganzen Reisens bin ich wieder ein Jahr mehr nicht im Meer schwimmen gewesen. Na ja, zumindest nicht mit dem ganzen Körper. Wenigstens meine Finger habe ich im Ärmelkanal, der Ostsee und dem Atlantik kurz gebadet.
Ansonsten war es auch wieder ein Jahr, in dem ich nicht am Halbmarathon teilgenommen habe, doch im kommenden Jahr werde ich wieder die 21 Kilometer skaten. Angemeldet bin ich jedenfalls schon.

Worte des Jahres?
Auszug, Minimalismus, Reisen, Datingapp

Zugenommen oder abgenommen?
So minimalistisch wie ich bin, habe ich einfach keine Waage. Problem gelöst. Aber von der Passform der Kleidung her würde ich sagen: gleich geblieben. Sport ist schon was tolles.

Städte des Jahres?
Berlin und London

Alkoholexzesse?
So langsam glaube ich ja, dass das in diesem Leben mit mir und dem exzessiven Alkoholkonsum einfach nichts mehr wird. Und das stört mich auch nicht wirklich, denn ich finde betrunkene Menschen meistens sehr unangenehm und finde auch nicht, dass Kontrollverlust ein erstrebenswerter Zustand wäre. Leitungswasser und Tee ftw!

Haare länger oder kürzer?
Weder noch, doch ich habe zum ersten Mal Spiralzopfgummis ausprobiert und seitdem doch tatsächlich seit Jahren mal wieder Zopf getragen statt immer nur mit der Spange hochgestecktes Haar. Gar nicht so doof diese Telefonkabelhaarbänder.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Wenn man nicht mehr bei den Eltern wohnt und reist, gibt man einfach automatisch mehr aus. Da man aber auch steigende Einkünfte dank Studentenjob hat, geht das voll klar. Der Lauf des Lebens.

Krankenhausbesuche?
Nein. Allerdings war ich zum ersten mal ambulant beim Orthopäden, nachdem ich beim Abgang aus dem Handstand gegen die Tür mit dem Zeh eine Kommode gerammt hatte, da jemand unerwartet die Tür geöffnet hat. Das war aber eine große Enttäuschung. Geröntgt, Entwarnung, dass nix gebrochen sei, keine Diagnose, keine Therapievorschläge sondern nur Fragen, wie denn heute so das Medizinstudium wäre. Orthopäden ey.

Verliebt?
Oh ja! Ich kann hier gar nicht ausdrücken, wie glücklich ich bin und wie fasziniert, dass es einfach so gut funktioniert und wir so viel miteinander unternehmen, voneinander lernen und den anderen motivieren, über sich hinaus zu wachsen. Auf dass ich in einem Jahr nur noch mehr positive Dinge darüber berichten kann.

Most called person?
Mein Telefon sagt: meine Eltern. Allein schon, weil die auf schriftliche Nachrichten erst nach Tagen reagieren.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Mir selbst, meiner Familie, Freunden und dann auch mit meinem Freund. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, was für eine gute Verbindung ich zu vielen meiner Freunde habe und wie sehr wir auf einer Wellenlänge sind. Gleichzeitig gibt es aber auch einige, bei denen ich bemerke, dass ich mit ihnen nur aus Gewohnheit befreundet bin und die Beziehung niemandem viel gibt. Das beschert mir ein ungutes Gefühl, doch es fällt mir

Die meiste Zeit verbracht mit?
Mir selbst, dem Studium, Freunden und meiner Familie. Wahrscheinlich passt in die Aufzählung auch mein Laptop, da der auch fast immer mit dabei ist.

Song des Jahres?
36 Degrees von Placebo. Sowohl in der originalen als auch in der unplugged Version und live im Konzert liebe ich Text, Musik und all das, was ich inzwischen damit verbinde.


Buch des Jahres?
Jules Vernes "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" hat mich als in Island spielende Geschichte während meiner Reise dorthin sehr gut unterhalten. Genaus habe ich es in Großbritannien genossen, Sherlock Holmes zu lesen.
Ansonsten begeistert mich gerade "Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra" sehr, jedoch werde ich das Buch in diesem Jahr nicht mehr beenden können.


Serie des Jahres?
Jessica Jones, iZombie, Forever und Westworld. Ich bin einfach zu langsam, was das Ansehen von Serien angeht. Das Leben bietet halt noch so viel mehr Dinge.

Erkenntnis des Jahres?
Man muss sich nur trauen, neues auszuprobieren und schon wird das Leben viel spannender. Und man sollte sich weniger Gedanken machen, was alles peinlich sein könnte, da am Ende eh keiner darauf achtet, was genau man macht.

Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Spontan fällt mir nichts ein. Entweder, das Jahr war wirklich gut oder ich bin dabei, das Verdrängen zu perfektionieren.
Selbst gegen die Glastür des Fahrradladens zu laufen, als ich einen Helm kaufen wollte, führte einfach nur zum direkten Hinweis, wo die Helme zu finden sind.


Schönstes Ereignis?
Die Erkenntnis, dass ich einfach relativ günstig viel reisen kann und jetzt als Student noch die Zeit dafür habe, hat dafür gesorgt, dass ich zwei mal in Großbritannien, in Island, in Sofia und in mehreren deutschen Städten war. Auch im kommenden Jahr sind schon zwei Städtetrips geplant und ich freue mich jetzt schon.
Ansonsten bin ich jedes mal einfach nur glücklich, so gute Freunde zu haben. Nicht viele, aber dafür welche, denen ich wirklich nahe stehe.
Es war sehr erleichternd, vor dem Umzug und auch danach sehr viele Dinge auszusortieren und ich bin sehr viel glücklicher, nicht mehr ganz so viel unnützes Zeug zu besitzen. Fühlt sich einfach gut an.

Hast du dich äußerlich in diesem Jahr verändert ?
Äußerlich nicht wirklich, Veränderungen sind bei mir eher innerlich.

Hast du dich innerlich verändert ?
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man so viel mehr hat als man braucht und habe angefangen, viele vor allem alte Sachen, die ich lange schon nicht mehr benutze, auszusortieren.

Filme, die du besonders gut fandest?
Im Kino hat mir spontan Dr. Strange sehr gefallen. Aber wirklich von den Socken gerissen hat mich dann American Beauty. Ohne Erwartungen habe ich ihn gesehen und saß dann einfach nur wie hypnotisiert da. Genialer Film mit toller Botschaft und Atmosphäre.

Hast du 2016 neue Freunde gefunden?
Ja. Total faszinierend, auf wie vielen verschiedenen Wegen man Menschen begegnen und sie zum Freund gewinnen kann.

Hast du ein neues Hobby dazu gewonnen?
Zählt reisen als Hobby? Mir ist einfach klar geworden, wie großartig ich es finde, zu beschließen, irgendwohin zu fahren und es dann tatsächlich zu tun.

Hat das Bloggen dich verändert? 
Nö. Aber gestresst hat es mich auch nicht. So muss das sein.

Wie wird dein Bloggerjahr 2016? 
Ganz ehrlich: ich plane kein Bloggerjahr. Es bleibt weiterhin dabei, dass ich darüber blogge, was mich bewegt. So funktioniert es schlicht am Besten.

2016 war in zwei Worten?
Bewegt und abenteuerreich.

Bist du glücklich, dass 2016 bald vorbei ist?
Nein. Das liegt nicht daran, dass ich jetzt so sehr an diesem Jahr hänge auch wenn es für mich persönlich ein gutes war, sondern viel mehr, dass ich genau weiß, dass mich im kommenden Jahr mein schriftliches Staatsexamen erwartet und damit ein Sommer im Lernstress am Schreibtisch.

Was wünscht du dir für das neue Jahr? 
Sehr viel Selbstdisziplin für den bevorstehenden Lernmarathon und die Fähigkeit, es trotzdem ab und an zu schaffen, die schönen Seiten des Lebens zu genießen.

Vorherrschendes Gefühl für 2017?
Zuerst gehen die Gedanken in Richtung Staatsexamen, Ende des Studiums und das führt zu einem Gefühlsgemisch aus Aufbruchsstimmung, Stress und Vorfreude auf Veränderungen. Mal sehen, was daraus wird.

Wie war euer Jahr und wie wird das neue?
Ganz egal, wie das Fazit eures Rückblicks ausfällt: macht euch die letzten Stunden des Jahres schön. Bis nächstes Jahr!

Freitag, 23. Dezember 2016

Stressige Besinnlichkeit

Was wäre, wenn Weihnachten wirklich besinnlich wäre? Also nicht nur in den idealisierten Darstellungen in Werbung, Fernsehen oder Büchern, sondern auch in der Realität?

Was wäre, wenn Weihnachten tatsächlich eine Auszeit vom Trubel des Alltags wäre, in der wir uns mit Familie und Freunden treffen, um wirklich Zeit mit ihnen zu verbringen? Damit meine ich nicht, Zeit verbringen im Sinne von Sitzen im selben Raum wobei jeder mental noch einmal durchgeht ob er nun auch wirklich an Geschenken alles besorgt, die Dekoration optimiert und das opulente Essen in stundenlanger Arbeit nun auf den Punkt vorbereitet hat, damit man es in zehn Minuten festlich herunter schlingen kann, sondern wirklich die gesamte Aufmerksamkeit auf den Moment richten zu können? Offen reden, zuhören ohne an die nächsten Aufgaben zu denken, Emotionen der Mitmenschen wahrnehmen und einmal entschleunigen und sich zurück lehnen.

Die Realität sieht anders aus; zumindest bei mir. Gestern habe ich neun Pakete für Nachbarn angenommen - das sind sicher nicht nur die üblichen Lustkäufe oder Bestellungen für den Eigenbedarf, sondern ganz sicher auch Weihnachtsgeschenke, die in letzter Minute bestellt wurden. Denn das oberste Ziel an Weihnachten scheint ja zu sein, für jeden ein Geschenk zu haben, das man in tadellos aufgeräumter und dekortierter Wohnung unter dem idealen Tannenbaum in bester Kleidung überreicht. Das alles kann den Punkt Weihnachten zu einer schier endlosen Quelle von Stress machen, wenn man sich zu sehr an diese idealisierten "Ziele" klammert.

Ich liebe es, Menschen, die mir wichtig sind, Geschenke zu machen. Wenn ich weiß, dass ich etwas gefunden habe, das jemandem aufrichtig Freude bereiten wird, kann ich es immer kaum erwarten, das Geschenk zu überreichen. Es ist dann jedes Mal, als würde ich selbst beschenkt werden, wenn ich sehe, wie sehr sich ein anderer Mensch über ein Päckchen von mir freut.
Das ist dann Weihnachten. Meinen Liebsten eine Freude machen ganz egal, ob sie nun vom monetären Wert her teuer ist oder auch "nur" ein Paar selbstgestrickte Socken und ganz bewusst und aktiv gemeinsam Zeit zu verbringen ist es, was ich mir unter einer weihnachtlichen Atmosphäre vorstelle. Dabei ist es egal, ob nun die Geschenke perfekt verpackt, der Baum absolut symmetrisch und das Essen unvergleichbar deliziös ist. Natürlich freue ich mich, wenn das alles gelingt, doch im Endeffekt wird man sich kaum daran erinnern, wie poliert in einem Jahr die Fenster waren, wie gut die aufwendig hergerichtete Frisur saß oder sich darüber freuen, stundenlang in der Küche die Gans gebraten zu haben. Was wirklich hängen bleibt, sind die ganz persönlichen Momente der geteilten Freude, die kleinen Missgeschicke, die passieren und wie man sie zusammen überwindet.

In einem Jahr ist uns beim Aufsetzen der Spitze auf den Tannenbaum selbiger umgekippt, wobei die Spitze zu Bruch ging und wir dann kurzfristig eine neue besorgen mussten. Es war die hässlichste Baumarktsbaumspitze aus billig beglittertem zu glänzend hellgold lackiertem Glas, die wir je hatten. Doch die Aufregung im Baumarkt und das riesige Glück, doch noch im letzten Moment fündig geworden zu sein, werde ich nie vergessen.

Es gibt Menschen, da habe ich tausend Ideen, wie ich sie beschenken könnte und es gibt andere, da fällt es mir wirklich schwer, mir ein Geschenk aus den Rippen zu leiern. Diejenigen bekommen dann einfach selbstgemachte Pralinen, gebrannte Mandeln oder ähnliche Leckereien aus der Küche. Das ist zwar nicht besonders persönlich aber meiner Meinung nach unendlich viel besser als unnützer Dekokram oder einfallslose Duschbadsets.
Denn auch wenn es uns immer wieder so verkauft wird, als wäre das Schenken der wichtigste Teil des Weihnachtsfests, ist es das genau nicht.

Weihnachten sollte nicht um den Konsum und den damit verbundenen Stress kreisen, sondern wir sollten uns wieder bewusster machen, dass es eigentlich um die nicht mit Geld bezahlbaren Dinge im Leben geht: Familie, Freunde, Nähe und geteilte Momente des Glücks.
Vielleicht könnt ihr den Gedanken mitnehmen und statt nun auf den letzten Drücker Geschenke zu jagen, den zu Beschenkenden lieber ein paar Zeilen schreiben, was sie euch eigentlich bedeuten. Denn das ist ein so unendlich viel besseres Geschenk als eine in der Einfallslosigkeit und Not gekaufte Schachtel Pralinen.

In dem Sinne: habt ein entspanntes Weihnachtsfest ohne sinnlosen Konsum unnötiger Dinge sondern stattdessen mit guten Gesprächen und Treffen mit Menschen, die euch wichtig sind!