Sonntag, 31. Juli 2016

Bist du schon vegan oder ignorierst du noch?

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ich ein kleines Selbstexperiment gemacht und mich eine Woche vegan ernährt habe. Etwa sieben Monate ist es her, dass ich von meinem Vorsatz fürs neue Jahr, weniger Tierprodukte zu konsumieren, geschrieben habe. Ja da stellt sich doch eine Frage: was ist denn daraus geworden?

Spoiler: aus mir ist bisher kein Veganer geworden. Ehrlich gesagt habe ich damit aber auch nicht gerechnet. Aber so ein paar Sachen haben sich getan.
Ich denke weiterhin, dass es ganz objektiv gesehen die gesündeste und ökonomisch effizienteste Ernährungsweise ist, auf tierische Produkte zu verzichten. Obst, Gemüse, Getreide - viel mehr braucht man nicht. Also ja, Wasser, Spurenelemente, Mineralien… aber ihr wisst schon, was ich meine. Nichts tierisches zumindest.

Wenn man es ganz sachlich betrachtet, ist es auch definitiv nicht angenehm, sich klar zu machen, dass Fleischkonsum letztlich Leichenkonsum ist. Und gruseliger Weise sehen tote Tiere anders als tote Pflanzen auch noch sehr ähnlich aus wie menschliche Leichen. Es ist schon seltsam, beim Zerlegen des Spanferkels die gleichen anatomischen Strukturen wie beim menschlichen Körper aus dem Präparierkurs zu finden. Und dann hat man plötzlich das Nervengeflecht des Plexus brachialis aus dem Spanferkel freigelegt, das exakt so aufgebaut ist wie der humane. Muss man das essen? Wie unangenehm. Das reicht schon, um mir ein ungutes Gefühl zu geben, wenn ich Fleisch esse.

So so, ich finde es also nicht nett, Leichenteile zu essen. Ja aber warum mache ich es denn trotzdem?!
Es gibt dafür zwei Gründe für mich und die sind alle beide durchweg egoistisch.

Nummer eins: leider schmeckt es mir einfach, ganz offen zugegeben.

Ich kann viele Dinge fleischlos ähnlich lecker kochen aber solche Dinge wie den puren Fleischgeschmack eines Rindersteaks oder gebratenen Lamms kann man einfach nicht imitieren. Sagen Kannibalen sowas sich verteidigend auch über Menschenfleisch und klingt das dann genauso grotesk?
Einerseits denke ich gerade an den vollen Geschmack eines medium gebratenen Rindersteaks und gleichzeitig frage ich mich, wie man nur so grausam sein kann, gern Teile von kleinen wolligen Lämmer zu essen. Ich bin ein großer Haufen Widersprüche und Zwiespalt, was Fleischessen angeht.

Nummer zwei: es schränkt mich ein, vegan zu leben. 

Es bedeutet nicht, dass man keine vielfältige Ernährung haben kann, die einem Genuss bereitet (das kann man nämlich definitiv), doch es fällt viel Spontanität weg. Nicht einfach mal am Buffet kosten, was gut aussieht, sondern immer vorher die Inhaltsstoffe erfragen. Man kann nicht einfach auf gut Glück in irgendein Restaurant gehen und etwas essen, weil der Salat vielleicht das einzige rein pflanzliche Gericht auf der Karte ist.
Noch blöder ist aber, dass ich damit meine eigenen Erlebnisse einschränke. Im Urlaub kann ich so nicht das landestypische nonvegane Gericht probieren, sondern muss immer Alternativen suchen. Die Alternativen müssen ja nicht schlecht sein, doch eigentlich würde ich noch viel lieber den frischen isländischen Fisch essen oder Haggis probieren. Es würde für mich einen persönlichen Verzicht bedeuten, mich in diesem Moment vegan zu ernähren und dafür ist der innere egoistische Schweinehund offen gestanden zu groß.

Generell ist es ein absolut rein egoistisches, rücksichtsloses Verhalten, Fleisch und andere tierische Produkte zu verzehren. Da muss man sich gar nichts anderes einreden. Man stellt sich damit ganz klar über die anderen Lebewesen und das nicht nur in irgendwelchen metaphorischen Weisen sondern ganz realistisch, da man durch die Entscheidung, was es zum Mittag gibt, deren Leben nachhaltig schädigt. Oder beendet. Nicht so nett.

Ihr seht: ich bin sehr gespalten, was den Konsum tierischer Produkte angeht. Insgeheim bin ich im Herzen ein kleiner Möchtegern-Veganer aber am Ende nur inkonsequent und egoistisch. Muss ich leider zugeben, denn das ist einfach die Wahrheit.

Solange es mich nicht einschränkt, treffe ich immer die Entscheidung für vegetarische oder vegane Lebensmittel. So gibt es bei uns in der WG ausschließlich Sojamilch statt Kuhmilch im Kühlschrank, Fleisch wird eh erst gar nicht gekauft und wenn ich für mich allein koche, dann in 98% der Fälle vegetarisch und oft auch vegan. Wenn da nicht Butter und Käse wären.
Zusätzlich zu Milchprodukten und Eiern kommt dann ungefähr jedes Wochenende ein soziales Essen, ein gemeinsames Essen mit Freunden und Familie. Und damit auch Situationen, in denen Fleisch serviert wird.

Sobald die Freunde nun zum Grillen einladen und mir den gegarten marinierten Brustkorb eines Schweins vorsetzen, ist es schnell vorbei mit all den rationalen Einsichten. Ich sage nicht nein zum Fleisch aber während ich esse und schuldbewusst feststelle, dass es mir schmeckt, notiere ich still, dass Schweine die exakt gleiche Anordnung der Zwischenrippenmuskulatur haben wie Menschen. Wie unangenehm.
So rein von der Vorstellung her, wäre ich im Präparierkurs des Studiums niemals auf die Idee gekommen, menschliche Leichen zu essen oder nur ansatzweise als potentielles Nahrungsmittel zu betrachten. Wie sind wir dann nur auf die absurde Idee gekommen, dass Tiere ein Nahrungsmittel wären? Ach ja, dieser Kampf ums Überleben und der Evolutionsdruck. Damals.

Nun sitze ich da und fühle mich schlecht dabei, Fleisch zu essen und gleichzeitig wäre es mir vor meinen omnivoren Freunden und Familienmitgliedern peinlich bis hin zu einem Grund für Spott, sich als Veganer oder auch nur Vegetarier zu outen. Das würde ja auch gleichzeitig bedeuten, dass ich mich selbst dauerhaft disziplinieren in meiner Ernährung einschränken müsste. In manchen Momenten würde sich es anfühlen wie Selbstbestrafung.

Ich wünschte, ich könnte mich durch Photosynthese ernähren. Auch wenn ich gern esse und das sehr genieße: es ist anstrengend, wenn Essen plötzlich zur moralischen Frage wird, die jedes mal aufs neue Entscheidungen und Schuldgefühle provoziert. Das Problem ist nur, dass ich nicht mehr ignorant genug bin, um guten Gewissens Fleisch essen zu können.

Dienstag, 26. Juli 2016

Forever alone: Die Sache mit dem Dating

Seid ihr gerade dabei zu heiraten oder ein Kind zu bekommen? Wenn ja, dann würde das perfekt zu meiner Wahrnehmung der Umwelt passen. Denn gefühlt heiratet momentan mein ganzer Freundes- und Bekanntenkreis sowohl im realen Leben als auch online und fängt danach mit der Reproduktion da. Und ich sitze da und weiß nicht, ob ich es absolut surreal und gruselig finden oder Torschlusspanik bekommen soll.

Als ich von den ersten Kommilitonen in meinem Alter hörte, dass sie heiraten würden, fragte ich mich überhaupt, ob sie das denn schon dürften. Sie waren ja noch nicht mal 25!
Anscheinend durften sie es, denn sie haben die Sache durchgezogen.
Nun hat vor einigen Tagen eine Bekannte ihr erstes Kind bekommen. Das ist meiner Meinung nach noch eine viel verrücktere Sache als das Heiraten - schließlich unterschreibt man nicht nur einen Vertrag und ändert den sozialen Status sondern hat plötzlich ein Projekt für den Rest seines Lebens oder mindestens die nächsten zwanzig Jahre an der Backe. Sicher kann das auch etwas schönes sein, doch sind wir nicht noch ein bisschen jung dafür?

Ich meine: macht man sowas nicht erst ab fünfundzwanzig? Frühestens! Also nicht, dass ich das jetzt für dieses Alter planen würde. Scheinbar bin ich mit der Meinung nicht allein aber tendenziell nicht Teil einer Mehrheit. Denn nun hat sich doch gleich die nächste Schwangere im Umkreis geoutet. Als wäre es ansteckend. *Sicherheitsabstand*
Als hätte er es geahnt schmerzte mein Uterus am Tag der Geburt des Kindes der Bekannten noch bevor ich davon wusste, dass sie an dem Tag Mutter wurde, ganz fürchterlich und ich war schon sehr beeindruckt, was der Körper alles mitbekommt ohne dass man aktiv davon weiß.
Aber nein, es war nur die Vorbereitung meines Körpers dafür, mir dann zwei Tage später bei einem Gespräch mit einer Professorin in einer weißen Sommerhose mir zu präsentieren, dass ich nun meine Periode hätte. Good times! Na ja, immerhin war es keine Geburt.

Und was macht man jetzt so mit 23, wenn man eben nicht dabei ist, seine Hochzeit zu planen oder ein Kind auszubrüten? Ganz einfach: man denkt darüber nach, wie alle um einen herum scheinbar jemanden gefunden haben, mit dem sie für immer glücklich sein werden oder das zumindest bei jeder Gelegenheit jedem ungefragt mitteilen während man selbst Single ist. Jawoll, daher der Frust.

Ich mache schon Pläne, wie ich mein Leben als Crazy Cat Lady später am besten organisiere, da ich insgeheim schon ein bisschen mehr als nur ein bisschen verzweifelt bin. Gefühlt sind alle sympathischen und attraktiven Männer in meinem Umfeld bereits vergeben, langweilig, nicht interessiert oder winzig (aka kleiner als 1,80m). Aber hey, da muss man doch nicht jammern - es gibt schließlich doch auch eine Möglichkeit, seine Suchressourcen zu erweitern: Onlinedating!

Davor schrecke ich ehrlich gesagt noch sehr zurück. In meiner Vorstellung ist das der reine Fleischmarkt. Man muss sich auf den Bildern facettenreich und interessant zeigen. Immer schön die Reiselust, die eigene körperliche Fitness, die Intelligenz und seinen großen Freundeskreis präsentieren. Wenn ich da nicht meinen gut trainierten Hintern -  weil ich schließlich keine Torte im Schaufenster bin - sondern mich strickend zeige, wird mich nämlich kein Schwein anschreiben. Allerdings habe ich wenig Lust, mich für sowas zu verstellen, nur damit die Nachrichten irgendwelcher Männer ohne Ende bei mir landen.
Schließlich möchte ich mir keinen dämlichen Lustmolch anlachen sondern einen Partner.


These are the  only juicy dates I have
Für Onlinedating bin ich zum einen noch nicht ganz verzweifelt genug und zum anderen kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass ich damit überhaupt zurecht käme. Es würde schon reichen, dass mich jemand mit "Na Süße" anschreibt, um mich in eine Mischung aus Abscheu und Grübeln zu versetzen. Erst letztens (in einer App für Persönlichkeitstests, die ich nur mit meiner Schwester nutze, die aber anscheinend eigentlich zum Dating da ist) erlebt.
Nachdem ich die Nachricht bekam, war ich völlig geschockt, hab denjenigen erst mal blockiert und kam nicht darüber hinweg, dass fremde Menschen einen einfach so Süße nennen.

Ich meine - wie kann mich denn jemand einfach Süße nennen, der mich nicht kennt?! Wie dreist und erniedrigend ist das denn? Hält der mich für bescheuert? Muss ein ganz schöner Macho sein. Oder ein Troll. Sowas kann schließlich niemand ernst meinen.

Man sieht - ich bin ein Naturtalent im Dating. Nicht. Und wahrscheinlich war das ein ganz normaler Spruch zum Eröffnen eines Gesprächs für denjenigen. Nur mal im Ernst: was soll man denn darauf sinnvoll antworten?

Mir ist schon klar, dass es nicht unbedingt daran liegt, dass ich eine so unsympathische, miespetrige und hässliche Person bin, dass ich Single bin. Viel mehr hängt es damit zusammen, dass ich Treffen mit vielen Fremden wie WG Party meide und wenn ich mal Abends tanzen gehe oder auf einem Konzert bin, viel zu sehr beschäftigt bin, mich selbst zu amüsieren als dass ich die potentiellen Partner um mich herum abchecken würde.
Und das größte Problem bleibt, dass Menschen, die genauso ticken wie ich, auch lieber allein zu hause bleiben als sich auf jeder WG Party der Stadt mit neuen Leuten zu betrinken. Ein ewiges Dilemma.

Natürlich gibt es sehr viele sehr viel größere Probleme auf der Welt aber momentan bewegt mich persönlich das Thema der Partnerschaft sehr. Es wird gesellschaftlich vorausgesetzt, dass man jemanden findet, mit dem man bis ans Ende aller Zeiten zusammen ist und Nachkommen produziert. So ein bisschen habe ich das Gefühl, mit dem Single Status negativ aufzufallen. Oder habt ihr schon mal jemanden prahlen gehört, wie wunderbar allein er ist? Ich auch nicht. Ich muss mir nur ständig anhören, wie großartig der Freund oder die Freundin meiner Mitmenschen wäre. Was ja an sich auch schön ist, dass diejenigen glücklich sind. Zugleich fühlt es sich aber auch immer mies an zu wissen, dass man all das selbst nicht hat.
Auch wenn ich weiß, dass das persönliche Glück nicht allein von einer Beziehung abhängt, bedeutet es trotzdem nicht, dass ich mir keine wünschen würde.

Und abgesehen davon: muss ich jetzt wirklich forever alone sein, nur weil ich introvertiert bin? Das kann doch wohl nicht wahr sein...

Wie geht es euch mit dem Thema Partnerschaft? Schweigt ihr es lieber tot oder berichtet ihr allen zum x-ten mal von der Planung eurer Traumhochzeit?

Mittwoch, 13. Juli 2016

#PMDD21

Ein bisschen spät dran lautet ganz offensichtlich das Motto meines aktuellen Picture my Day Days.
Irgendwie habe ich es dieses Mal so gar nicht mitbekommen, wann der #PMDD stattfinden wird und plötzlich stolperte ich auf Twitter über Tweets und Bilder zu diesem Event. So fing ich dann gegen 11:00 Uhr ganz spontan noch an, meinen Tag fotografisch festzuhalten.
Organisiert wurde der #PMDD dieses mal übrigens von Frau Margarete. 

Auf Bilder von dem epischen Frühstück aus Haferflocken, gerösteten Sonnenblumenkernen, Sojamilch und Apfelstücken müsst ihr daher leider verzichten. Es ähnelt aber dem Frühstück des letzten Picture My Day Days - einfach mal auf das Label unter dem Post klicken, um sich das ersatzweise anzusehen.

Und nun auf in den studentischen Sonntag!


Wäsche waschen

Ganz passend war ich zufällig im absoluten Non-Fashion Blogger Style gekleidet: Jogginghose und gestreiftes Shirt. Das Buch gehört übrigens zum Outfit und zum Tagesprogramm. Prüfungen stehen an und ich stecke meine Nase den ganzen Tag lang in meine Unterlagen.

Hunger! Zeit, Mittagessen kochen. Essentielles Grundnahrungsmittel ist dabei übrigens für mich immer Knoblauch. 

Tadaaa - in Gemüsebrühe gekochte rote Linsen, Brokkoli, Paprika und Pak Choi gedünstet in Knoblauchbutter. Macht für euch ein Spritzer Zitronensaft darüber Gemüse auch immer zehn mal fabulöser?

Nach dem Essen ging es zurück ans Lernen. Das ist jedoch kein gutes Bildmotiv, weshalb ich euch die gefaltete Yogamatte zeige. Für eine kleine Lernpause bietet es sich nämlich immer an, Kopfstände zu üben. Bringt den Kreislauf in Schwung, hält wach und hilft vielleicht, irgendwann den Kopfstand sicher zu beherrschen.


Saugstauben! Ein Klassiker am Sonntag, wenn man den laut (seine Computerspiele? an-) schreienden Nachbarn daran erinnern will, dass er nicht allein im Haus ist. 
*insert random foot content here*

17:30 Uhr und es ereilt mich ein spontaner Anfall von Hunger. Lösung: Sojamilch, Grieß, Kakaopulver und Erbeermarmelade zu einem schmackhaften Brei zusammen kochen. 

Sportsachen packen und auf zum Unisport. Body Shape Intensiv… es heißt nicht umsonst intensiv. Ich konnte den Schweiß dabei beobachten, wie er an mir herunter strömt, aber ich hatte Spaß und eine großartige Auszeit vom Lernen. 


Auf dem Heimweg wurde ich im Flur von der kuscheligen Nachbarskatze begrüßt. Als ob sie gewusst hätte, dass das Internet Katzen liebt! #catcontent

Duschen nach dem Sport. Das blaue Duschbad ist mein Lieblingsduschbad für den Sommer, weil es einfach so sommerlich nach Sonnencreme-Kokos-Meer riecht. Wie ein kleiner Kurzurlaub.

Die finale Folge der Serie Forever ansehen und dabei den restlichen Brokkoli mit Tomate und Sriracha Sauce mit einem Knäckebrot mit Avocado essen. Ahh, es ist nach einer Serie, die man mochte, immer so frustrierend, wenn sie abgesetzt wurde! Nun ja, immerhin ist da jetzt keine Versuchung, weiter zu schauen, obwohl man lernen muss.

Licht aus. Gute Nacht!

Das war es auch schon mit meinem Picture My Day Day! Nicht besonders aufregend aber das ist ja auch die Definition von Sonntagen. Nun ja, es könnte mehr Entspannung dabei sein. In knapp einem Monat dann wieder.

Mittwoch, 6. Juli 2016

(Frei-) Zeit (-verschwendung)?

Lest ihr gerne? Dann kennt ihr sicher diese Tage, an denen man ein fesselndes Buch hat und nichts anderes tun kann, als es zu lesen. Und irgendwann kommt der Moment, an dem man sich fragt, wieso nur noch zwanzig von tausend Seiten übrig sind und wo eigentlich die letzten acht Stunden geblieben sind. Es ist ein großartiges Gefühl, sich so in ein Buch zu vertiefen aber in den letzten Jahren kann ich es nicht mehr unbeschwert genießen.

Das hat definitiv nichts damit zu tun, dass ich keine Freude mehr an der Literatur selbst habe oder keinen Lesestoff finde, sondern viel mehr damit, dass oft ein schlechtes Gewissen da ist, wenn ich sehr viel Zeit nur mit dem Lesen verbringe. Immerhin gibt es da so viel mehr und so viel wichtigere Dinge zu tun, die vom schnöden Aufräumen der Wohnung über Sport, soziale Kontakte und als oberste Priorität das Studium reichen.
Ich denke, dass der Großteil des schlechten Gewissens beim Schmökern bedingt durch mein Studium ist. Auch wenn ich mich von Lachkrämpfen geschüttelt durch mein Buch wälze, kommt da der Gedanke im Hinterkopf auf, dass ich vielleicht lieber noch mal die Wirkspektren der verschiedenen Antibiotika wiederholen sollte statt mich sinnlos mit "unwichtiger" Lektüre zu amüsieren. Oder ein paar Kapitel im EKG Buch lesen. Vielleicht aber auch die Anatomie des Fußes wiederholen - in die habe ich doch nie ausreichend viel Zeit rein gesteckt.

Mein Gewissen hat einfach das alles schlagende Argument: wenn ich mir hier eine schöne Zeit mit Belletristik mache, werde ich später nach der Uni als Assistenzarzt alle Patienten umbringen. Ich möchte den Angehörigen ja nicht erklären müssen, dass ich nicht genug Sachliteratur gelesen habe, um den Verstorbenen korrekt behandeln, aber mich dafür exzellent mit den Werken von Jules Vernes auskenne.

Gleichzeitig ist mir klar, dass meine Fantasie mir an diesem Punkt Streiche spielt. Natürlich trägt man im Assistenzarztleben später Verantwortung aber es ist nicht so, als wäre man sofort der einzige Arzt im Krankenhaus. Nicht umsonst gibt es die Struktur, dass weitere, hoffentlich erfahrenere Assistenzärzte, Oberärzte und vielleicht auch mal der Chefarzt da sind, um einem bei komplexen Fällen zur Seite zu stehen. Definitiv werden auch einmal die eigenen Patienten versterben (und es wird ein schrecklicher Moment, über den ich jetzt nur bedingt nachdenken möchte) aber die meisten hoffentlich, weil für sie die Zeit einfach gekommen ist und der Mensch nun einmal auch irgendwann sterben muss.

Trotz aller guten Erklärungen bleibt so ein dumpfes Schuldgefühl, wenn ich exzessiv viel nicht medizinische Literatur lese oder auch nur irgendwas ohne medizinischen Bezug in meiner Freizeit ausgiebig betreibe. Serienorgien, Filmen, stundenlanges Stricken oder sonstigen Freizeitaktivitäten - ich kann mich doch nicht für immer schlecht fühlen, wenn ich nichts für die Uni beziehungsweise meine Zukunft tue. Geht das irgendwann weg? Mein Gewissen kann mich ja wohl nicht bis zur Rente terrorisieren! Hoffentlich.

Eigentlich sagt das Wort Freizeit selbst schon, dass man sich während ihr seine Zeit frei einteilen kann, aber mit so einem gewissen latenten Pflichtgefühl fällt das nicht immer einfach. Und das, obwohl ich genau weiß, dass jeder Mensch Freizeit und Erholung braucht. Niemand kann immer zu produktiv sein.

Das waren noch Zeiten, als man Schüler war und in der Freizeit sich selbst auch wirklich freie Zeit gönnte!

Kennt ihr diese Problematik und die endlosen stillen Diskussionen mit eurem Gewissen? Falls ja: wie geht ihr damit um?

Freitag, 24. Juni 2016

I like to … move it!

Es ist Juni, Mitte des Semesters und das bedeutet zwei Dinge: so langsam muss man sich darauf vorbereiten, mit dem Lernen zu beginnen und zweitens kosten jetzt alle Unisportkurse nur noch die Hälfte. Am liebsten würde ich fast alle davon ausprobieren. So müssen sich wahrscheinlich Menschen, die gern shoppen gehen, fühlen, wenn Sommerschlussverkauf ist. Ich mag klassisches Shoppen von Kleidung nicht besonders aber eins steht fest: ich liebe Sport!

Früher bin ich als bewegungswütiges Kind davon ausgegangen, dass jeder Bewegung und damit Sport genauso genießen würde wie ich aber das hat sich als völlige Fehleinschätzung herausgestellt. Es gibt so viele Menschen, die sich zum Sport nur quälen, um etwas für ihre Gesundheit beziehungsweise ihr Äußeres zu tun aber absolut keine Freude daran haben. Sport ist für sie ein Mittel zum Zweck. Und ich frage mich immer, warum.

Schulsport ist offen gesagt nichts, was sofort Freude an der Bewegung vermittelt. Man wird gezwungen, bestimmte, merkwürdige Bewegungsabläufe durchzuführen und soll nach drei mal Üben das dann perfekt vorführen, um bewertet zu werden. Na danke schön! Frustration ist da vorprogrammiert.
Auch hat man wenig Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Disziplinen und wenn einem eben weder Geräteturnen noch Volleyball oder Leichtathletik leicht fällt und/oder Spaß macht, hat man eben Pech gehabt. Und wenn man dann nach zwei Wochen Übung noch keinen perfekten Aufschwung am Stufenbarren kann, hat man sich auch eine schlechte Note verdient. Dass das nicht motiviert, Sport zu machen, kann ich absolut nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass sich dieses Konzept des Schulsports schon so lange im System halten kann. Viel wichtiger als das Beherrschen des formvollendeten Weitsprungs ist meiner Meinung nach nämlich, den Schülern zu vermitteln, dass Sport großartig ist und es wirklich für jeden etwas gibt.

Als ich nämlich den Schulsport endlich hinter mir lassen konnte, probierte ich selbst verschiedene Sportarten aus und wunderte mich, weshalb man in der Schule nie darüber gesprochen hatte. Pilates, Yoga, Inlineskating waren das, was ich zu Hause ausprobierte. Auch mit dem klassischen Joggen habe ich es versucht - und es direkt wieder sein lassen, weil ich es absolut monoton und öde fand. Da mich keiner zwang, mich damit weiter zu quälen, wechselt ich auf Inlineskater und war begeistert dabei.

Man merkt einfach, dass der Körper dazu da ist bewegt zu werden. Es lenkt von jeglichem Stress und Ärger im Alltag ab, sich selbst anzutreiben, den Körper durch die Gegend zu wirbeln und ordentlich zu schwitzen. Als Belohnung gibt es ein Hochgefühl nach dem Sport inklusive. Das ist quasi das Dankeschön des Körpers dafür, dass man mit ihm Gassi gegangen ist.

Primär bereitet mir Sport einfach Freude. Es ist super spannend, herauszufinden, was man mit seinem Körper anstellen kann, welche Bewegungen und Positionen er ausführen kann. Es fühlt sich an wie ein Spiel und alles, was man dafür braucht, ist der eigene Körper. Bestimmte Bewegungsabläufe immer wieder zu versuchen, bis sie dann irgendwann klappen, begeistert mich jedes mal. Das Gefühl, präzise Kontrolle über den Körper zu haben ist absolut faszinierend. Irgendwann nach vielen Fehlversuchen eine neue Bewegung plötzlich zu meistern ist ein unvergleichliches Erlebnis.
Ich kann nur zu gut verstehen, warum Kinder immer umher toben und sich selbst ausprobieren wollen.
Während man sich darauf konzentriert, auf den Armen balancierend nicht nur den Bauch anzuspannen, sondern auch die Beine anzuziehen, verschwindet jeglicher Ärger einfach aus dem Bewusstsein. Sport zu machen ist eigentlich wie eine Droge: man vergisst seinen Kummer und fühlt sich wie im Rausch. Nur dass dieses Vergnügen kostenlos und nicht gesundheitsschädigend ist. So eine gewisse psychische Abhängigkeit entsteht jedoch schon - ich zumindest würde nicht freiwillig auf Sport verzichten wollen.

Nicht nur während des Trainings profitiert man vom Sport, sondern auch noch darüber hinaus. Man kann der Bahn hinterher rennen, ohne anschließend auf dem Bahnsteig zusammen zu brechen, jede Menge Treppen steigen, ohne alle vier Etagen pausieren zu müssen und auch seinen schweren Wocheneinkauf mit einem Gang zum Kühlschrank schleppen. Die zusätzliche Ausdauer, Kraft und so ein gewisses motorisches Feingefühl durch das körperliche Training, verbessern meiner Ansicht nach die Lebensqualität extrem.
So weiß ich, dass ich beim Konzert nicht nach dem fünften Lied des durchgängigen Hüpfens erschöpft sein werde. Zu wissen, dass man sich auf seinen Körper verlassen kann, gibt einem Sicherheit und Freiheit. Es kann immer etwas passieren, eine plötzliche Krankheitsdiagnose kommen aber soweit es mir möglich ist, möchte ich durch Sport dafür sorgen, dass mein Körper Belastung gewohnt ist und mich nicht einschränkt sondern Aktivitäten ermöglicht.

Weiterhin kann man über sportliche Aktivitäten neue Menschen kennen lernen. Sei es aus der Community des liebsten Fitness Youtubers oder direkt vor Ort im Yoga Kurs. In Teamsportarten hat man gar keine andere Wahl, als neue Kontakte zu knüpfen.
Das großartige ist, dass man oft eine bunte Mischung aus Menschen verschiedenster Alters-, Berufs-, Kultur- und Sozialgruppen im Sport trifft. Würde ich in einer neuen Stadt Probleme haben, soziale Kontakte zu knüpfen, würde es über einen Sportverein sicher funktionieren.
Darüber hinaus lernt man nebenbei auch noch viel mehr. Die Landesgeschichte der Ursprungländer einer Sportart zum Beispiel oder auch eine ganze Philosophie, die hinter traditionellen Ertüchtigungsarten steht. So kann ich dank Shorinji Kempo - einem japanischen Kampfsport -  jetzt auf japanisch bis drei zählen und weiß, dass Kanpai Prost bedeutet. Durch Yoga lernt man völlig alltagsuntaugliche Wörter auf Sanskrit, die man selbst kaum aussprechen kann und dazu jede Menge zur spirituellen Bedeutung und Geschichte der Yoga Praxis. Essentielle Kenntnisse für den Alltag sind das noch nicht wirklich aber immerhin. Über zusätzliches Wissen sollte man sich nie beschweren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sport für mich so viel mehr ist, als nur die lästige Pflicht, mit dem Körper Gassi zu gehen. Es macht mich glücklich, es ermöglicht mir, mich frei im Alltag zu bewegen wenn es darum geht, sicher zu sein, dass mein Körper die täglichen Belastungen mitmacht statt mich zu limitieren. Sport bedeutet, neue Menschen und auf gewisse Weise zugleich aber auch mich selbst kennen zu lernen. Und am Ende des Tages schläft man auch noch großartig, nachdem man sich ordentlich angestrengt hat.
Nicht jede Sportart macht mir Spaß aber ich bin davon überzeugt, dass jeder eine finden kann, die ihm persönlich zusagt und ihn begeistert. Man muss sie einfach nur finden.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Vom Bildschirm in den Alltag: wenn man plötzlich Prominente trifft

Es gibt so viele Momente im Leben, die man mental schon durchgespielt aber tatsächlich nie erlebt hat. Dazu zählt auch das Treffen von mehr oder weniger prominenten Menschen. Auch wenn ich schon oft aus Jux fiktive Dialoge mit ihnen geführt habe, wüsste ich nicht, was ich tun sollte, wenn J.K. Rowling, Hayley Williams oder Simon und Martina jetzt plötzlich im Supermarkt vor mir in der Warteschlange an der Kasse stehen würden.
Aber man rechnet ja ehrlich gesagt auch nicht wirklich damit, mal in so eine Situation zu kommen.

Letzten Sonntag war ich mal wieder auf dem Flohmarkt am Mauerpark und danach in einem veganen Café - was man in Berlin eben so macht als Student. Als ich auf meinen mit frischen Sprossen und Hummus gefüllten Wrap wartete, sah ich mich ein bisschen im Lokal um - und musste mich direkt einmal am Stuhl festhalten, weil ich einen meiner liebsten Youtuber fünf Meter von mir entfernt erblickte. Mein Blick verharrte - man könnte es auch als Starren bezeichnen - und wurde von einem eher genervten Blick erwidert. Upsi, erwischt!

Jetzt gab es nur zwei Varianten: entweder, ich gebe meiner Neugier nach, gehe rüber, sage hallo und versuche, all die verrückten Dialoge, die ich mental beim Sehen seiner Videos schon mit ihm geführt hatte, nicht zu sehr das Gespräch beeinflussen zu lassen oder ich bleibe weiter der creepy Fan und starre völlig entgeistert zum Nachbartisch. Hatte er nicht schon mehrfach in Videos gesagt, dass er Leute hasst, die ihn offensichtlich erkennen aber dann nur anstarren statt ihn einfach kurz zu grüßen?
Offen gesagt brachte ich in der Situation einfach nicht den Mut auf, ihn direkt anzusprechen aber weiter durch unhöfliche Blicke belästigen war auch keine Option für mich. Daher entschied ich mich, ganz fixiert auf mein Essen zu sein und bloß nicht den Blick zum Nachbartisch wandern zu lassen. Scheuklappentaktik. Momente, in denen es besonders frustrierend ist, introvertiert zu sein.

Während ich an meinem leckeren veganen super healthy Wrap knabberte, dachte ich fieberhaft darüber nach, ob ich nicht doch die Chance nutzen sollte, ihn anzusprechen.
Aber passierte ihm das nicht dauernd? Selbst Youtuber und prominentere Prominente sind Privatpersonen mit einem gewissen Recht, nicht immer nur ihre Mitmenschen zu unterhalten. Schließlich sind sie kein Gemälde in einer Galerie, das man jederzeit ungeniert von allen Seiten anstarren darf. Ich hätte auch keine Lust, dass alle fünf Meter jemand auf mich zu kommt und dringend Selfies mit mir machen möchte. Besonders schlimm wird es wahrscheinlich, wenn die Fans dann deren typische Gesten sehen und Sprüche von ihnen hören wollen, für die sie ja schließlich bekannt sind. Wie ein Tanzbär, der immer und immer wieder seinen beliebtesten Trick vorführen muss. Ich hatte Mitleid. Selbst die Berühmtheiten des Internets haben ab und an ein Privatleben.

Und so saß ich da, sprach ihn weder an noch machte ich heimlich Fotos (denn das ist noch eine Stufe merkwürdiger als nur auffällig unauffällig rüber zu starren) bis er nach Konsum eines hippen veganen Snacks ging.
So ein bisschen ärgerte ich mich schon, nicht gegrüßt zu haben, doch ich weiß genau, dass ich es niemals anders gemacht hätte. Zudem kannte ihn meine mich begleitende Freundin gar nicht (Offliner…*seufz*) und so wäre ich mir noch einmal verrückter vorgekommen, zum Nachbartisch zu laufen und ihn anzusprechen.

Was lernen wir daraus? Wenn man nicht weiß, wie man sich als insgeheimer Fan verhält, sollte man trendige vegane Restaurants in Berlin meiden.
Im Ernst: ich war einfach nicht darauf vorbereitet, es war zu spontan. Als ich vor einigen Wochen einen Yogakurs bei einer Yogalehrerin mit Youtubekanal gemacht habe, den ich auch schon lange verfolge und daher völlig inadäquat aufgeregt war, sie live zu treffen, ahnte ich vorher schon, dass ich einen ordentlichen Fangirl-Moment haben würde. Ich wusste aber auch, dass ich damit nicht allein sein würde. Mit diesem Wissen gewappnet, konnte ich mich brav in die Schlange für eine Audienz einreihen, mich überschwänglich für ihre Videos bedanken und mehr oder weniger tiefgründige Fragen stellen.
Zudem ist es auch alles anders, wenn man der einzige verrückte Fan im Raum ist.

Es muss auch sehr merkwürdig bis extrem unangenehm sein, von fremden Personen angesprochen zu werden, die viele Dinge über dich wissen aber man selbst gleichzeitig null Informationen über sie hat. Absolut gruselig. Damit muss man wohl rechnen, wenn man im Internet Dinge über sich postet und es durch Bilder von sich den Zuschauern und Lesern einfach macht, einen auch offline zu identifizieren.
Je bekannter die Person, desto unangenehmer wäre es auch für mich, sie anzusprechen. Das heißt, einen mittelmäßig bekannten Blogger würde ich grüßen wollen (zumindest denke ich das jetzt allein vor dem Schreibtisch sitzend), da er sich bestimmt auch darüber freuen würde aber einen international gefeierten Johnny Depp würde ich mich nicht zu grüßen trauen. Seine Bodyguards würden das wohl auch nicht zulassen. Plus er wäre eh schon von zwanzig anderen Fans umringt, bevor ich auch nur in seine Nähe käme.

Habt ihr schon mal Internetprominenz oder andere bekannte Menschen live gesehen und was mich noch viel mehr interessiert: wie seid ihr damit umgegangen?