Dienstag, 5. Dezember 2017

To fu or not to fu

Ernährung ist manchmal ein ganz heikles Thema. Nur keinem auf die Füße treten. Deshalb bringe ich schon immer vegetarische oder vegane Speisen mit, wenn ich beipielsweise für Gruppen von Menschen koche. Aber nicht allen Omnivoren geht es so wie mir. Da gibt es nämlich noch die Tofuphobiker.

Ihr wisst schon: die "Ich brauche mein Fleisch!"-Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass eine Mahlzeit ohne Fleisch als richtige Mahlzeit zählen könnte.
Mit einer Gruppe von Menschen war ich in einem vegetarischen Restaurant brunchen. Es gab geniale Speisekreationen, die toll gewürzt waren. Aber eben fleischlos.
Linsensalat mit Senfdressing, der einem Eiersalat etwas ähnelte und super würzig war. Büffelmozarella und marinierte Paprikastreifen auf Brot, Nudeln an Kürbis-Walnuss Sauce mit lecker angemachtem Salat. Alles kein richtiges Essen, nichts, wovon man satt werden könnte. Und dann auch noch Räuchertofu, den man sich aufs Brot legen sollte? Barbarisch! Wo ist denn hier die Wurst?!

Ich kann verstehen, dass Tofu pur nicht das aufregendste Geschmackserlebnis ist. Wenn man keine Ahnung hat, wie man den schmackhaft zubereitet, ist der einfach fad. Ist er aber schon mundfertig zubereitet und das in wirklich leckerer Weise und wird aber aus Prinzip verschmäht, weil es eben Tofu ist, regt mich das einfach nur auf. Es ist so ignorant!
So auf einem unbekannte Speisen zu reagieren ist völlig übertrieben. Vielleicht ein Zeichen der Angst vor neuen Dingen? Ist es dann eine Angst, die sich bei diesen Menschen nicht nur auf Essen sondern auch alle anderen Bereiche des Lebens anwenden lässt?

Und was ist das überhaupt für ein Leben, in dem man ja nichts tut, was man nicht kennt und nur nichts in seinen Mund steckt, was die eigenen Großeltern nicht schon gegessen haben? Viel erleben wird man in einem solchen Dasein nicht. Tradition kann etwas unheimlich schönes sein. Sich kategorisch vor allem Unbekannten zu verschließen ist jedoch einfach nur dumm. Und dumme Menschen können furchtbare Zeitgenossen sein, weil sie an allem rum mäkeln, was sie nicht begreifen können oder sogar nicht einmal begreifen wollen.

Es heißt, Liebe ginge durch den Magen und das glaube ich gern. Ich denke, am Essen, das jemand kocht, wird sichtbar, was für ein Mensch derjenige ist. Gewohnheitstier oder kreativer Kopf, traditioneller Geist oder innovativ.
Die super faden Nudelsalate in meinem Leben aus Nudeln, Dosenerbsen, Fleischwurst und einem Glas Mayo als einzigen Zutaten kamen auch nicht unbedingt von den glücklichsten Menschen und das konnte man aus diesen traurigen Salaten auch heraus schmecken. Du bist wie du kochst… und wie du isst.
Deshalb bin ich spontan auch wenig begeistert, wenn erwachsene Menschen bestimmtes Essen ohne es probiert zu haben direkt ablehnen ohne ihm je eine Chance gegeben zu haben, weil es nicht ihren Vorstellungen entspricht. Damit tun sie weder sich noch dem Koch oder den übrigen Anwesenden einen Gefallen. Mit knurrendem aber zum Glück tofufreiem Magen steigt die Laune nicht, der Koch fragt sich, was er falsch gemacht hat und der Rest der Runde, der die von anderen verschmähte Kost zu schätzen weiß, fühlt sich unwohl, beim Essen beobachtet zu werden bis hin zu schuldig, dass einem das jetzt auch noch schmeckt während andere da sitzen und angewidert drein schauen.

Engstirnigkeit beim Essen bedeutet nicht, dass jemand mit Haselnussallergie nun wirklich definitiv keinen Nougat probieren will. Es heißt, dass man sinnlos und aus Prinzip für unbekannte Dinge nur Ablehnung, Vorurteile und Angst übrig hat. Ich glaube, dass diese Menschen technischen Neuerungen, fremden Kulturen und generell Neuerungen gegenüber auch wahrscheinlich weniger aufgeschlossen sind. Denn wenn Tofu einem schon Existenzängste bereitet, was macht man dann erst, wenn man auf Menschen mit anderen Gedanken als den eigenen trifft?!
Manchmal reicht es eben schon, mit Menschen eine Mahlzeit gemeinsam einzunehmen, um einschätzen zu können, was für Menschen sie sind.

Donnerstag, 9. November 2017

Picture or it didn't happen

Kürzlich war ich im Urlaub. Knapp zwei Wochen Portugal zur Erholung nach dem Staatsexamen. Gereist bin ich wieder einmal nur mit Handgepäck, denn warum sollte ich einen Koffer voller unnötigem Kram durchs ganze Land schleppen, wenn alles, was ich brauche, eh in einen Rucksack passt?

Was ich allerdings eingepackt habe, war eine Kamera. Denn auch wenn man keinen Koffer voller Souvenirs mit nach Hause bringen kann, so kann man noch immer versuchen, alles fotografisch festzuhalten. Und genau darüber möchte ich hier sprechen. Denn mir kommt es teilweise vor, als wären Erlebnisse nur etwas wert, wenn man sie dokumentiert.

Man kann noch so wortgewandt davon schwärmen, wie malerisch die Landschaft, wie fabelhaft das Essen oder wie wolkenlos blau der Himmel waren: in einem Bild kann man all das dem anderen direkt vor Augen führen. So sieht er die Eindrücke fast, als wäre er selbst da gewesen, kann alles auf seine eigene Art wahrnehmen und weiß dann definitiv, dass man mit den Schwärmereien vom Urlaub nicht übertreibt.
Ein Bild sagt schließlich mehr als tausend Worte. Picture or it didn't happen.

Das kann einen ganz schön unter Druck setzen, während des Urlaubs auch im richtigen Moment die Kamera mit der perfekten Einstellung in der idealen Perspektive aufs Motiv zu halten. Kann man sich eigentlich noch richtig entspannen, wenn man seinen Tag immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, man müsse für jeden Punkt auf der Reiseliste, ein vollendetes Bild schießen, verbringt? Sobald die Jagd nach DEM Foto die Reise dominiert, wäre die Entspannung zumindest für mich dahin.

Es heißt ja immer, man solle Erinnerungen sammeln statt Dinge anzuhäufen. Indirekt scheint das aber manchmal auch zu bedeuten, dass man Bilder von erinnerungswürdigen Momenten sammeln solle. Gern auch in digitaler Form, damit sich keine tatsächlichen Stapel von Dingen bilden, die man ja eigentlich nicht sammeln wollte. Alternativ kann man seine Erinnerungskollektion auch einfach bei Instagram hochladen. Aus dem alltäglichen Leben poste ich dort nicht wirklich viel, doch sobald ich auf Reisen bin, halte ich das gern fest und poste es dort.
Warum? Einerseits, um anderen zu zeigen, was es für tolle Orte gibt und sie so zu inspirieren, selbst zu reisen, andererseits aber auch, um selbst in einem Jahr durch meine Posts scrollen zu können und in dieser gekürzten Kurzfassung des Urlaubs mich an eben diesen zu erinnern ohne die riesige Datei aller Urlaubsbilder öffnen zu müssen.
Genauso liebe ich es auch, die Reiseeindrücke anderer auf Instagram zu sehen. Teilweise durchsuche ich die Seite auch aktiv einem Hashtag oder einer Lokalisierung folgend nach Tipps, wie ich meine eigene Reiseplanung optimieren kann. Selbst etwas zu posten ist also in gewisser Weise ein Weg, etwas zurück zu geben.
Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass ich sehr viel mehr auf der Jagd nach einem perfekten Bild bin, wenn ich weiß, dass ich am Ende des Tages einen Reiseeindruck posten möchte.
Look at me! Ich bin so verrückt, ich mache einfach Strandyoga
 während des Sonnenuntergangs. Position WC Ente.

Ist es falsch, möglichst schöne Bilder aufnehmen zu wollen?
In der Regel sind wir bemüht, ästhetisch ansprechende Dinge zu erschaffen. Soll heißen, dass man sich bei der Einrichtung seiner Wohnung nicht extra Mühe gibt, alles ungemütlich und chaotisch werden zu lassen, sondern dass das Ziel immer eine schöne, wohnliche Umgebung ist. Es entspricht einfach dem, was uns im Rahmen unserer Sozialisierung beigebracht wurde, darauf zu achten, dass wir positive, schöne Dinge tun. Schon bei der Vorstellung, extra die Wohnung zu verwüsten oder generell etwas zu zerstören, bekomme ich ein schlechtes Bauchgefühl. Und warum dann nicht gleich versuchen, das Optimum an Ästhetik raus zu holen, wenn man eh dabei ist, ein Foto zu machen?

Dann bleibt nur noch die Frage, wie viel Aufwand für ein schönes Bild angemessen ist. Ich würde nicht wollen, dass mein Reisegepäck nur aus Kameraequipment besteht und ich an jedem Meter Strand 20 Minuten verbringen müsste, um die perfekte Aufnahme der Aussicht zu machen. Angemessener Aufwand bedeutet in dem Kontext, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten relativ ansprechende Bilder mache, ohne dafür ewig das eigentliche Erleben unterbrechen zu müssen. Denn wenn wir zu sehr damit beschäftigt sind, den Moment bildlich einfangen zu wollen, ist es zu leicht, ihn dabei einfach zu verpassen.
Wie die coolen Kids, die bei Konzerten in der ersten Reihe stehen und statt zu tanzen Videoaufnahmen machen, die nie von jemandem angesehen werden. Außer vielleicht von ihnen selbst, um dann im Anschluss noch mal zu checken, wie eigentlich das Konzert war.

Wie perfektionistisch seid ihr mit euren Fotos? Könntet ihr euch vorstellen, zu reisen, ohne Bilder davon zu machen?

Donnerstag, 2. November 2017

#PMDD24


Hach ja, ich bin ein mieser Blogger. So viel im Leben erlebt, dass man nicht zum Bloggen kommt. Einen Sommer lang gelernt, Staatsexamen geschrieben, im Urlaub gewesen. Tausend Ideen für den Blog aber immer was anderes zu tun. Ich weiß, alles schlechte Ausreden, die keiner hören will. Also weiter zum eigentlichen Thema dieses Posts: es gab mal wieder einen Picture my day day! 

Der war am 31.10. und hätte entsprechend gruselig ausfallen können, doch meine persönliche Halloweenparty fand schon am Tag zuvor statt. Deshalb begann der Tag mit Ausschlafen. Schummrig - gemütliches Licht durch die Vorhänge lässt auch bei Tageslicht problemlos weiter schlafen, wenn man erst spät den Weg ins Bett gefunden hat.


Frühstück zu zweit mit Resten des Kürbiskäsekuchen-Brownies, den ich zur Party gebacken hatte.


Erst mal Bad putzen. Dann Schlafzimmerschubladen sortieren. Gutes Gefühl, schon etwas geschafft zu haben, stellt sich ein.


Gemüse mit Messer zerhackstücken.


Rote Bete schält man ausschließlich mit Handschuhen insofern man nicht wochenlang rosa Finger- und Nägel haben möchte. Ein Herz für Rote Bete!


Gemüse atomisieren.


Atomisiertes Gemüse kochen. Mit saurer Sahne und Gewürzen wird daraus Borschtsch.


Was ist ein Tag ohne Wolle? Also schön entspannt meine Souvenirwolle aus dem Urlaub anstricken.


Briefe fertig machen. Ich mag, dass man sich bei selbstgedruckten Marken witzige Motive aussuchen kann.


Spaziergang und Brief einwerfen.


Meinen guten Kumpel die Packstation besuchen und ein Paket einsacken.


Zurück zu Hause eine Runde Sport machen. Habe jetzt (zwei Tage später) noch immer Bauchmuskelkater. Ich mag Pilates.


Schon wieder stricken. Weihnachten kommt ja bald und deshalb muss die Geschenkproduktion laufen. Dabei Dokus ansehen.


 Abendessen! Kürbis-Kartoffelbrei mit Spiegelei und Salat. Ich liebe Kartoffeln. Und weiches Eigelb.


Thematisch passend zum Tag haben wir uns Stolz und Vorurteil und Zombies angesehen. Definitiv unterhaltsamer als die klassische Variante ohne Zombies!


Podcasten und - wie sollte es anders sein - dabei stricken.


Irgendwie habe ich es danach voll verpasst, ein Bild davon zu machen, wie ich Zahnpasta auf die Bürste schmiere und mich im Anschluss bettfertig in den Kissen versenke. Aber auch wenn es keine Beweisbilder gibt: ich bin danach einfach nur eingeschlafen.

Für weitere Beiträge zum #PMDD24 könnt ihr dieses Dokument durchforsten. Viel Spaß beim Stalken!

Montag, 28. August 2017

#PMDD23

Egal wie einfallslos man hinsichtlich neuer Blogbeiträge ist oder wie wenig Zeit man hat, seine tausend Ideen schriftlich festzuhalten: Picture my day day geht immer! Und so lasse ich es mir nicht nehmen, beim 23. PMDD dabei zu sein, nachdem ich den davor schon so glorreich verpasst habe. Hups.

Ach ja, hab ich eigentlich erwähnt, dass ich dieses mal auch fast verschlafen habe, meinen Tag in Bildern festzuhalten? Eigentlich stand der Termin im Kalender aber das heißt ja noch nicht, dass man das dann auch sieht. Zum Glück hat mich mein Freund in letzter Minute doch noch daran erinnert. Daher nur Bilder vom Bett und keine vom Frühstück, denn das war schon weg gemampft. Für die Vollständigkeit: es gab Müsli mit Sojamilch. Wie bei den letzten #PMDDs davor.


Spoiler: das Mittagessen hatte dann doch Kalorien.


Raus aus den Federn!


(Frühstücken, Zähne putzen, anziehen) Ab aufs Fahrrad Richtung Bibliothek.


Es geht in den Lesesaal. Gutes WLAN, vier Steckdosen pro Arbeitsplatz und helle Umgebung. Die Bibliothek ist echt ein guter Ort, um produktiv zu sein.


Bitte keine Steinzeittelefone in diesen Räumen!!!


Stunden vergehen, ich arbeite mich durch meine Lernkarten zur Vorbereitung auf das Staatsexamen im Oktober (#mimimi) und das spannendste, was zu fotografieren war, ist der Zwischenstopp auf dem Klo.


Geschafft! Und ab nach Hause.
Übrigens finde ich die automatischen Schließfächer echt genial, weil man sich nicht mehr ärgern muss, wenn man keine 1€ Münze dabei hat und niemand wechseln kann.


Zeit für einen dm Haul! Deren Auswahl an Bio Produkten mag ich sehr und mein Freund (vorher nie bei dm gewesen) kennt sich inzwischen schon so gut in deren Läden aus, dass ich ab und zu nur Einkaufslisten schreiben statt selbst hinzufahren muss, um einen Einkauf bei dm zu machen. 


Es ist halb drei und seit dem Frühstück habe ich nichts gegessen. Da ich kein Essen am Vortag vorbereitet habe und so ohne Verpflegung in der Bibliothek war, war ich daran selbst Schuld. Weil ich das Lernen aber nicht unterbrechen wollte, um Essen zu besorgen, habe ich den knurrenden Magen einfach mit Leitungswasser gefüllt, bis ich nach erledigtem Lernplan beim Lieblingsdönerladen um die Ecke Mittag für den Freund und mich einsammeln konnte. Muss schön sein, wenn man im Home Office arbeiten kann und dann noch Essen geliefert bekommt.


Noch ein paar Fragen aus alten Examina kreuzen. Irgendwann gab es dann Kardamom- Malzkaffee (mit ausreichend Sojamilch, damit es nicht mehr ansatzweise nach Kaffee schmeckt) und Kekse zur Motivation.


Nun zu den schönen Stunden des Tages! Wir haben Abendessen zubereitet, es in Dosen gepackt und sind zum nächsten Park geradelt.
Diese kleine Anhöhe habe ich meinen Freund dann übrigens nach dem Essen huckepack hoch getragen. Bestes Beintraining!


Picknick aufbauen…


… Picknick verspeisen! Hummus, Quinoabällchen (nach diesem tollen Rezept) und Salat mit Auberginen, Tomaten und Pilzen haben unter freiem Himmel gleich doppelt so gut geschmeckt.


Eine Runde Frisbee spielen nach dem Essen. Wusstet ihr eigentlich, dass es verdammt schwer ist, ein Bild von einer fliegenden Frisbeescheibe zu machen?


Auf dem Heimweg gibt es einen Platz mit Stangen zum Üben von Klimmzügen, Dips und weiteren Gymnastikübungen. Habe mir da gleich mal Schultermuskelkater für den nächsten Tag organisiert.


Dachtet ihr etwa, es gäbe einen PMDD bei mir ohne Strickcontent? Sicher nicht!
Stricktutorials schauen und dabei am eigenen Projekt weiter arbeiten.


Unscharfe Bilder von Zahnbürsten machen.


Und ab ins Bett!

Wieder ein Tag vorbei. Im Moment sind durch den Lernplan für das Staatsexamen UND das normale Leben meine Tage so gefüllt, dass ich richtig zu spüren bekomme, wie die Tage an mir vorbei rasen und ich immer wieder am Abend völlig erschöpft bin. Es ist schön, so viel an einem Tag zu schaffen aber gleichzeitig freue ich mich auch schon auf ein Leben mit ein wenig Freizeit nach dem Examen im Oktober. Und ich freue mich auf den nächsten #PMDD. Immer wieder spannend, seinen Tag festzuhalten!

Was habt ihr am Freitag so getrieben?

Mittwoch, 16. August 2017

Studentenleben: Das war's schon?!

Fast fünf Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal auf dem Campus der medizinischen Fakultät stand und ganz aufgeregt nach dem richtigen Büro für die Immatrikulation suchte. Nicht viel später war ich wieder total aufgeregt am selben Ort auf der Suche nach dem Hörsaal für meine erste Vorlesung des Studiums. Und dann verging die Zeit wie im Flug.

Irgendwann brauchte ich den Lageplan für die Veranstaltungsorte auf den verschiedenen Campi nicht mehr, konnte den pro Schale statt nach Gewicht abgerechneten Salat in der Mensa sehr hoch stapeln und wusste immer, wo das nächstgelegene Klo auf dem Campus war. Angekommen in diesem Studentenleben habe ich mich schnell an den Rhythmus von Semester - Prüfungsstress - Semesterferien/Pflichtpraktika gewöhnt und mein Leben gut damit arrangiert. Und auf einmal fällt dieses über fünf Jahre Medizinstudium wohl gepflegte Schema auseinander - denn ich bin im finalen Universitätssemester angekommen. Die letzte Pflichtveranstaltung liegt schon knapp zwei Monate zurück, die letzte Repetitoriumsveranstaltung nur drei Wochen. Dennoch kann ich es kaum fassen, dass ich den universitären Teil meines Studiums mit den ganzen furchtbar anstrengenden aber lehrreichen und oft faszinierenden Physiologie-, Anatomie- oder Biochemievorlesungen, Seminaren, Gruppenarbeiten und Untersuchungskursen durchlaufen und bestanden habe. Unendlich viel Detailwissen in mein Gehirn gestopft und locker die Hälfte davon wieder vergessen. Mal ehrlich, wozu soll ich später als Arzt mal den exakten Aufbau von Mikrotubuli kennen? Falls ich mal bei Wer wird Millionär teilnehme vielleicht. Und für jeden unwichtigen Fakt, den ich gelernt habe, gibt es vielleicht etwas wichtiges, von dem ich noch keine Ahnung habe.

Klar bin ich jetzt nach den gefühlt unendlichen Kursen und Rollenspielen super spitze in einfühlsamer Patientenkommunikation - aber nichtsdestotrotz habe ich ein wenig Angst, demnächst auf die Menschheit aka Patienten losgelassen zu werden. Theoretisch weiß ich so viel - aber wer garantiert mir, dass ich vor Aufregung nicht die Hälfte vergesse, wenn der Ernstfall kommt? Das Gute ist, dass man als Anfänger erst mal nie allein ist. Und dass nach dem Staatsexamen noch ein ganzes Jahr Pflichtpraktika für das Trainieren aller praktischen Skills und den täglichen Bürokratismus, über den man im Studium weniger viel lernt,  auf mich wartet.

Wie auch immer: unglaublich, dass fünf Jahre theoretisches Medizinstudium hinter mir liegen. Ich habe so viele fachbezogene Dinge gelernt aber auch herausgefunden, was für ein Mensch ich bin und was ich nicht will. Was man will, ist dann doch immer ein wenig schwieriger zu beantworten.
Da macht es mir jetzt nur Sorgen, dass ich noch nie durch eine Prüfung gefallen bin - denn meine Mutter sagt, mindestens einmal im Studium falle jeder durch. Im Staatsexamen würde ich aber ehrlich gesagt trotzdem am liebsten direkt bestehen und nicht ihre Prophezeiung erfüllen. Fände sie sicher auch cooler.

Deshalb hocke ich jetzt jeden Tag sehr asozial am Schreibtisch und arbeite den Lernplan ab. Nach über zwei Monaten habe ich bereits keine Lust mehr, weitere zwei Monate noch einmal nach dem Lernplan zu leben und sieben Tage die Woche nicht so viel anderes zu tun aber ich fürchte, dass es einfach so läuft, wenn man die passend als Hammerexamen betitelte Prüfung schaffen will.

Und selbst das Staatsexamen wird schneller vorbei sein als ich es mir momentan vorstellen kann. Wenn mir schon fünf Jahre Studium so kurz vorkommen, dann dauert das Staatsexamen ja wirklich nur einen Lidschlag lang. Hoffen wir mal, dass das alles klappt. Und jetzt bitte nicht mehr wundern, warum hier nicht so viel passiert: Ich bin sehr beschäftigt, jede Menge Fakten in mein Gedächtnis zu prügeln und im Anschluss hysterisch lachend Panikattacken beim Blick auf den Kalender zu bekommen.

Freitag, 21. Juli 2017

Digital Detox: ein unfreiwilliger Selbstversuch

Immer wieder liest man, dass Leute sich jetzt mal für eine Woche von den sozialen Medien verabschieden; sich mal so richtig Digital Detox gönnen. Nicht immer die längst nicht mehr chronologische Timeline refreshen und nicht jeden Pups, den sie lassen, in den Instastories festhalten müssen. Kann ich mir ja vorstellen, dass sowas sehr anstrengend ist und man davon mal eine Pause braucht. Was ich aber nicht mehr verstehen kann ist, dass alle den Digital Detox so sehr preisen. Denn ich hatte unfreiwillig drei Tage Digital Detox und kann nun sagen, dass es ein Luxus ist, sich sowas leisten zu können.

Ich habe mein Handy verloren. Einfach beim eiligen Radeln zum Hörsaal aus der Tasche gerutscht und erst am Ziel angekommen ist mir dann aufgefallen, dass etwas fehlt. Mit Hilfe des Laptops habe ich sofort das Telefon lokalisiert - laut der Karte in einem Wohnhaus, an dem ich nicht mal vorbei gekommen war. Der nicht so ehrliche Finder hat es direkt ausgeschaltet, sodass man weder eine Nachricht an ihn senden oder die Daten des Geräts löschen konnte. Denn dafür hätte es ja eine Internetverbindung gebraucht. Tjo, das war es dann wohl mit diesem Gerät. Und so stand ich plötzlich ohne Telefon da.

Die SIM Karte war schnell gesperrt, Ersatz dafür sowie ein neues Gerät ließen sich Dank Internet auch schnell organisieren. Blieben nur noch ein paar Tage ohne Handy zu überstehen. Kann ja nicht so schwer sein - dachte ich mir. Dann probiere ich den Digital Detox, von dem alle immer so schwärmen, wohl mal aus!

So ein modernes Mobilfunkgerät ist so viel mehr als das, was der Name beschreibt. Für mich ist es mein Kalender, mein Notizbuch, mein Lehrbuch für die Vorbereitung aufs Staatsexamen, mein mP3 Player, meine Kamera, mein Stadtplan, mein Wecker, meine Taschenlampe und damit irgendwie ein sehr zentrales Element für die Organisation meines Lebens. Natürlich hat es auch eine Unterhaltungsfunktion durch soziale Medien, Netflix oder die Podcast App, doch auf diese kann man auch mal für ein paar Tage verzichten.
Aber was soll man tun, wenn man keine Wahl hat? Man kann so richtig am eigenen Leib spüren, wie aufgeschmissen man ohne dieses kleine kluge Gerät ist.

Stehe beim Arzt, möchte mir einen neuen Termin machen - leider keinen Kalender dabei! Termin auf gut Glück vereinbart mit dem Versprechen, zurückzurufen, sollte man zuhause feststellen, dass er doch nicht passt. Wird nur schwer ohne Handy. Weil - wer hat denn noch ein Festnetztelefon daheim?

Am Bahnhof angekommen und genau die Bahn verpasst, die ich eigentlich erreichen wollte. Jetzt mal kurz checken, was die effizienteste Lösung ist, an den Zielort zu kommen. Ach ja - kein mobiles Internet. Das wird also nix mit der flexiblen intelligenten Routenplanung...

Neues Telefon bestellt und es an die Packstation liefern lassen. Die Vorfreude steigt, es daraus zu befreien. Es gibt nur ein Problem: um die mTAN zu empfangen braucht man ein Smartphone. Es ist zum Heulen!

Dank meines smartphonebesitzenden Freundes konnte ich letztlich doch mein Paket aus der Packstation retten und die unfreiwillige Internetkarenz beenden. Oh happy day!

Und was ist nun das Fazit zum Digital Detox?
Sagen wir so: der längerfristige Verzicht auf Nahrung heißt auch nur dann Fasten, wenn die Alternative nicht Hungern wäre.

Solange man freiwillig auf sein Telefon oder bestimmte Apps darauf verzichtet, kann das bestimmt das eigene Leben für eine Weile bereichern, weil man weniger abgelenkt ist. Doch wenn man es für Anrufe, Routenplanung oder Kalenderfunktion braucht, kann man das Telefon dann trotz Nichtbeachten der tausend ungelesenen Instagramnachrichten aus der Tasche ziehen und für diese nützlichen Funktionen einsetzen. Aber dafür muss man auch keinen Digital Detox verkünden, da man mit genug Selbstbeherrschung auch so seinen Konsum von Social Media oder das permanente Herumdaddeln auf dem Smartphone sein lassen kann. Theoretisch.

Für mich vereint mein Handy sehr viele Funktionen in sich, auf die ich nicht verzichten möchte und letztendlich auch langfristig nicht könnte. Mir selbst diese ganzen Möglichkeiten absichtlich vorzuenthalten, wäre einfach nur dämlich.
Und weil auch schon der analoge Detox mit abführenden Kräutertees zum Entschlacken Blödsinn ist, kann ich hiermit den Digital Detox auch offiziell zum schwachsinnigen Luxusprojekt erklären. Irgendwas muss man wohl machen, wenn man sonst keine Probleme hat.

Freitag, 12. Mai 2017

Wenn Freunde zu Bekannten werden

Je länger man lebt, desto mehr Menschen begegnet man. Manchen flüchtig, anderen intensiver. Manchmal ist es so, dass man im ersten Moment weiß, ob jemand einem völlig zuwider oder man komplett auf der gleichen Wellenlänge ist. Und je mehr Menschen man schon getroffen hat, desto besser kann man einschätzen, ob man mehr Zeit mit ihnen verbringen wollen würde oder lieber nicht.

Was ist aber mit den Menschen, die man als Bekannte und Freunde aus einer Zeit mitgenommen hat, in der man weniger gut beurteilen konnte, welche Art von Menschen man in seinem Leben haben möchte? Oder was ist mit den Freunden, die sich seitdem man sich vor fünfzehn Jahren kennen gelernt hat, in eine sehr andere Richtung entwickelt haben als man selbst?

Die Frage treibt mich schon eine Weile um. Eine gute Freundschaft machen für mich Vertrauen, Offenheit und die Fähigkeit, zusammen ganz man selbst; verrückt und mutig sein zu können aus. Freundschaft bedeutet, dem anderen nur Gutes zu wünschen und ihn dabei zu unterstützen, seine Ziele zu erreichen selbst wenn man nicht immer der größte Fan derer ist. Letztlich ist es für mich auch ein klares Zeichen ehrlicher Freundschaft, wenn ich nicht darauf neidisch bin, wenn meine Freunde große Ziele erreichen, sondern ich mich einfach nur für sie aufrichtig freuen kann,
Der Großteil meiner Freunde fällt in genau diese Kategorie.

Aber dann gibt es noch so ein paar, die quasi nur aus Gewohnheit da sind. Diejenigen, mit denen man sich nur ungern verabredet, weil man schon vorher weiß, dass wieder eine beklemmende Stille aufkommen wird, wenn der seichte heit-teiti Smalltalk abgearbeitet ist. Diejenigen, bei denen beide Seiten wissen, dass man sich nichts mehr gibt, sich nicht mehr ergänzt oder entspannt ohne vorgegebenes Programm zusammen sich beschäftigen oder gar Spaß haben kann. Zumindest glaube ich immer, dass es beiden Seiten wissen.

Nun aber zu dem, was mich wirklich quält: was mache ich mit diesen Menschen?
Offen ansprechen?
"Es tut mir leid, aber seit ein paar Jahren merke ich schon, wie wir uns nur noch selten verabreden, gezwungen lächeln weil man mit Freunden Spaß haben muss aber uns eigentlich gar nichts mehr zu sagen haben. Überhaupt hast du dich verändert; ich mich ja auch. Das passt alles nicht mehr zusammen. Meinst du nicht, es wäre besser, wenn wir nicht weiter so tun, als wären wir ernsthaft befreundet?"

Oder einfach ignorieren? Nach dem Motto, wenn man nur lange genug keinen Kontakt hat und Zeit vergehen lässt, werden sie einen schon vergessen und man muss sich nicht mehr schuldig dafür fühlen, dass man sich nicht mehr aufrichtig freut, Zeit mit dem anderen zu verbringen?

Letzte Variante wäre, weiter zu machen wie bisher und so zu tun als hätte sich nichts verändert. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich genau das momentan tue und mich dabei einfach nur furchtbar fühle.
Ist es nicht verlogen, sich mit Menschen in seiner freien Zeit zu verabreden, wenn man tief in seinem Inneren gar keine Lust auf diese Personen hat? Ist es nicht eigentlich furchtbar dumm, seine so kurze Lebenszeit mit "Freunden" zu verschwenden, die einem einfach nur ein doofes Bauchgefühl bereiten und man sich mit ihnen die ganze Zeit anstrengen und eine Kulisse aufrecht erhalten muss?

Ich würde ja gern sagen, dass ich so konsequent wäre, diesen paar Menschen einfach ganz ehrlich zu sagen, dass es alles nicht mehr so ist wie es mal war und ich meine Zeit lieber anders verbringen würde als mit ihnen, aber am Ende bringe ich es nicht übers Herz. Da verbiege ich mich lieber weiter und lege angestrengt die "ich hab Spaß mit dir" -Performance hin und fühle mich im Anschluss elend.
Richtig schön blöd.

Wie sagt man Menschen am besten, dass man sich auseinander entwickelt hat, wenn sie es scheinbar noch nicht mitbekommen haben?

Donnerstag, 27. April 2017

Über selbstständiges Wohnen & aufgegebene Gewohnheiten

In meinem letzten Post ging es um das Thema Umzug und als ich so gedanklich bei dem Thema war, fiel mir auf, dass es inzwischen schon über ein Jahr her ist, dass ich ausgezogen bin. Zuerst einmal: yay! Es war eine Entscheidung, die ich viel zu lange vor mir her geschoben habe, weil nicht wirklich der Druck dazu bestand und es vor allem finanziell absolut vorteilhaft war, bei der Familie zu wohnen. Außerdem ist meine Familie ziemlich knorke, sodass auch da kein Anreiz bestand, auszuziehen.
Aber irgendwann war ich die etwas längeren Fahrtwege zur Uni leid, Gelegenheiten boten sich und schließlich bin ich vor mittlerweile mehr als einem Jahr ausgezogen. Das WG Leben war neu und aufregend und dennoch habe ich mich direkt zu Hause gefühlt.

Ein Jahr und einen weiteren Umzug später, fühlt sich die Vorstellung, nicht allein und selbstbestimmt zu wohnen, sehr seltsam an. Noch dazu gibt es einige alltägliche Gewohnheiten, die ich seitdem komplett aufgegeben habe und fand es so interessant, dass ich das mit euch teilen wollte.
Und hier sind sie: meine fünf Angewohnheiten, die ich aufgegeben habe, nachdem ich bei den Eltern ausgezogen bin.

1. Getränke kaufen
Wenn das Mineralwasser und der Apfelsaft eh immer im Keller stehen, ist es sehr einfach, damit den Durst zu löschen. Als ich aber das sprudelige Wasser selbst hätte kaufen müssen, wurde mir klar, wie wenig mir eigentlich daran lag. Es kostet schließlich nur Zeit und Geld, Getränke in die Wohnung zu schleppen. Da kommt man ganz schnell auf die Idee, dass Leitungswasser und Tee ganz hervorragende Durstlöscher sind. Noch dazu ist es günstiger und gesünder, als Fruchtsäfte oder gar Softdrinks in sich hinein zu schütten.
Statt der damals obligatorischen 0,5l Plastikflasche Mineralwasser für unterwegs habe ich inzwischen meine doppelt so viel Volumen fassende Trinkflasche und bin sehr glücklich damit, sowohl für die Umwelt als auch meinen Geldbeutel was gutes zu tun.

2. Wäsche bügeln
Es war nie so, dass ich nicht im Haushalt helfen musste, aber das Bügeln der Wäsche hat tatsächlich meistens Mutti übernommen. So war ich es einfach gewohnt, Bettwäsche und Handtücher in die Waschmaschine zu stecken, sie anzuschalten, die Wäsche aufzuhängen und dann von der Leine hübsch gebügelt auf meinem Bett wiederzufinden und konnte mir nicht vorstellen, dass es nicht so wäre. Ganz schön naiv.
Denn auch wenn man Bügelbrett und Bügeleisen im eigenen Haushalt hat, heißt es noch lange nicht, dass man Motivation verspürt, Bettwäsche, Handtücher, Stofftaschentücher und Kleidung damit zu glätten. Ich bin einfach dazu übergegangen, Dinge nur zu bügeln, wenn sie WIRKLICH zerknittert sind oder es einen besonderen Anlass gibt. So werden jetzt nur noch Kittel vor praktischen Prüfungen, die Hemden des Freundes und meine Vorzeigekleidung vor Bewerbungsgesprächen oder feierlichen Anlässen gebügelt. Alles andere deklariere ich inzwischen als verschwendete Lebenszeit.

3. Gutes Geschirr besitzen
Wer kennt es nicht: die Eltern haben gutes Geschirr für besondere Anlässe, Bettbezüge farblich passend für verschiedene Jahreszeiten oder auch Dekoartikel für alles von Ostern über Halloween bis Weihnachten. Wenn man in einer Mietwohnung lebt, fällt auf einmal ganz viel Stauraum für all diesen Kram weg und man muss reevaluieren, was wirklich wichtig ist. Dabei ist mir klar geworden, dass man definitiv nicht zehn Alltagsteller und zwanzig gute für Besuch haben muss, wenn man nicht mal genug Stühle hat, um mehr als die regulären Bewohner der Wohnung am Küchentisch zu platzieren.
Statt jetzt also immer das alte Geschirr, was im Alltagsgebrauch einfach kaputt gehen dürfte (aber es eh nie tut), zu benutzen, essen wir von den guten (und einzigen Tellern) und schlafen in der schönen Bettwäsche statt in der ausgewaschenen alten. Denn was hat man davon, die schönen Sachen zu schonen, wenn man sich daran eh nie erfreuen darf, weil man sie für bestimmte Gelegenheiten aufspart?

4. Fleisch und Brot kaufen
Ich war es von meinem Elternhaus aus gewohnt, dass immer ein Brot im Brotkasten war. Allein schon, um sich ein Schulbrot für die Pause zu schmieren, war das essentiell. Hat man aber plötzlich nur noch eine oder zwei Personen, die das ganze Brot verspeisen müssen, bevor es schlecht wird, ist es alles gar nicht mehr so einfach. So kam es, dass ich einfach gar kein Brot mehr kaufe. Es gibt wenige Dinge, die simpler und dabei so köstlich sind wie frisches Brot mit Butter und Salz, doch immer wieder Brote hart und schimmlig werden zu lassen, lohnt sich nicht. Deshalb gibt es Brot inzwischen bis auf wenige Ausnahmen nur noch auswärts.
Genauso wenig kaufe ich bei den Wocheneinkäufen Wurst oder Fleisch. Es ist einfach energetisch und aus Umweltschutzgründen unglaublich ineffizient, Tiere zu essen auch wenn ich offen gestanden an sich den Geschmack von Fleisch mag. Ich sehe absolut ein, dass es für den Planeten, die Tiere und die Ernährung all der Menschen besser ist, sich rein pflanzlich zu ernähren und tue das so weit wie möglich und kaufe daher auch kein Fleisch für den eigenen Kühlschrank und fürs Müsli Sojamilch. Wenn ich mal auswärts im Restaurant, bei Freunden oder der Familie esse, sage ich zu Fleisch nicht nein, doch selbst kaufen und den Konsum so unterstützen muss ich nicht.

5. Fernsehen
Mal im Ernst: wann kam denn je zur Primetime etwas wirklich lehrreiches, wirklich interessantes im Fernsehen? Ich kann mich nicht erinnern. Das kann daran liegen, dass ich seit Ewigkeiten YouTube und Netflix zur Unterhaltung benutze wo man sich selbst aussuchen kann, was man sehen möchte und dementsprechend lang kein reguläres Fernsehen mehr konsumiert habe oder auch daran, dass dort eben wirklich schon immer zu mindestens 95% Schwachsinn lief.
Während meiner WG Zeit gab es sowieso keinen Fernseher im Haus und jetzt, da es wieder einen gibt, dient er nur als Display für YouTube und Co. Schon schön, seine Sportvideos in Großformat vor sich zu haben, während man die Übungen nachturnt!
Und wenn man Serien schauen quasi als fernsehen werten würde, kann ich behaupten, auch das kaum zu tun. Neben Uni, Arbeit, Sport, Beziehung und Freunden, Haushalt und sonstigem Leben bleibt einfach nicht so viel Zeit übrig und die möchte ich nicht wirklich vorm Bildschirm vergammeln. Es ist einfach cooler, die aufregenden Erlebnisse selbst zu machen statt Leuten auf dem Bildschirm dabei zuzusehen, wie sie die durchleben.

Das sind sicher nicht alle Dinge, die sich bei mir im Alltag geändert haben, seitdem ich ausgezogen bin, doch es sind definitiv die offensichtlichsten, die mir zuerst eingefallen sind. Was hat sich bei euch geändert, nachdem ihr ausgezogen seid?

Dienstag, 11. April 2017

Minimalismus Level 2: Aussortieren obwohl der größte Mist schon weg ist

Lange gab es hier schon keine Beiträge zum Thema Minimalismus mehr. Das liegt nicht daran, dass ich es nicht mehr erstrebenswert finde, keinen unnötigen Scheiß zu besitzen, sondern viel mehr daran, dass mir ganz plötzlich klar wurde, wie viel unnötigen Scheiß ich eigentlich noch habe. Und das, obwohl ich doch schon so viel aussortiert habe.
Das sorgt natürlich nicht unbedingt dafür, dass ich mich wie ein weiser Minimalismusguru fühle und Tipps zum Thema geben will. Schließlich gilt es zuerst das eigene Chaos zu bewältigen.

Bevor ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, habe ich Berge von Kleidung, Schreibutensilien, Büchern und Bastelzubehör aussortiert. In das kleine WG Zimmer passte immerhin nur eine begrenzte Menge an Gegenständen und ich kann mich sehr gut erinnern, wie stolz ich war, dass ich all meine Sachen auf den paar Quadratmetern ordentlich verstauen konnte.
Als ich nun aber kürzlich für einen weiteren Umzug gepackt habe, kam ich ins Staunen, was ich trotz vorheriger groß angelegter Ausmistaktionen so besaß. Das war wohl kein ordentliches Verstauen, sondern eher tetrisartiges Einsortieren von zu viel Kram auf engstem Raum gewesen.

Sechs - wirklich sehr gute - Radiergummis, ein Dutzend neuer karierte Blöcke, Aquarellfarben und dazugehöriges Papier, Blöcke von Buntpapier, bestimmt acht verschiedene hübsche Bettbezüge plus Laken, mehr gemütliche Gammelklamotten als es je freie Tage geben kann und so weiter. Den richtig schlimmen Kram hatte ich im ersten großen Durchgang des Aussortierens schon erledigt. Es war so schön einfach, all das zu verschenken, zu spenden oder zu entsorgen, was ich definitiv seit Ewigkeiten nicht mehr angefasst hatte oder einfach nur noch furchtbar fand. Aber was ist mit den Dingen, von denen man genau weiß, dass sie eigentlich überflüssig sind, die aber dennoch völlig neu sind? Vielleicht brauche ich meinen Vorrat an Radiergummis und Blöcken ja noch einmal dringend!

Es gibt scheinbar Menschen, die von Natur aus minimalistisch zu sein scheinen ohne sich darüber Gedanken zu machen.
Mein Freund ist einer dieser Menschen. Die Schränke waren einfach gefühlt zur Hälfte leer, ein Viertel gefüllt mit den wenigen Sachen, die er wirklich braucht und benutzt und das andere Viertel belegt von Dingen, die man mal geschenkt bekommen hat und nicht wirklich mag, defekten alten Dingen und sicherheitshalber aufbewahrten Originalverpackungen. Es war so einfach, klar zu entscheiden, was von diesen Dingen bleiben kann und was weg kommt. Sentimentale Gegenstände gab es kaum und das was dar war, passt in einen Schuhkarton.

Bei mir dagegen war es komplizierter. Aus meinen Schränken war der unnütze, veraltete oder defekte Rumpelkram, von dem man sich leicht trennen kann, auch schon längst aussortiert.
Blieben nur noch die zahlreichen Duplikate eines benutzten Gegenstandes, die Vorräte und die Dinge, die ich einst geschätzt und benutzt habe aber es schon lange nicht mehr tue sowie ein Berg sentimentaler Stücke. Da ich aber auch die neue Wohnung nicht direkt zum Einzug mit besagtem unnützen Scheiß vollstellen wollte, habe ich mein bestes gegeben, mich von überflüssigem Besitz zu trennen.
Im Nachhinein habe ich mit folgenden Strategien entschieden, was in die neue Wohnung mitkommt und was nicht.

Duplikate reduzieren
Schöne Bettwäsche ist etwas wundervolles aber zu viel davon stellt am Ende nur den Schrank voll. Gleiches gilt für Handtücher, Küchentücher, Stofftaschentücher und so weiter. Zwar hat Oma immer schon gepredigt, man müsse möglichst viele bestickte Tischdecken und Bettlaken haben, falls mal Gäste kämen oder es einen besonderen Anlass gäbe, doch ganz im Ernst: wie oft passiert so etwas schon? Im Alltag braucht man nur exakt zwei Sets aus Bettlaken und Bezügen und für jede Person im Haushalt je zwei große und kleine Handtücher. Dementsprechend habe ich aussortiert und nun gibt es nur noch zwei komplette Bettwäschesets, viel mehr Platz im Schrank und einen glücklicheren Apfelkern.

Anprobieren statt ordentlich einsortieren
Ich muss gestehen, dass ich einige Kleidungsstücke einfach lange Zeit nur hübsch gefaltet in den Schrank gesteckt habe, statt zu hinterfragen, ob ich sie auch wirklich noch trage. Nachdem ich alte Pullover, Strickjacken oder Hosen anprobiert hatte, wurde mir dann auch klar, warum ich sie so lang im Schrank gelassen hatte.
Schlechte Passformen, komische Schnitte, völlig ausgewaschene Teile oder Dinge, die ich schlicht nicht mehr schön fand. Wie konnten die beim ersten Aussortieren nur durch rutschen?! Ach ja, die zwanzig sackförmigen Teilnehmershirts in absurden Farben sind mit sentimentalen Gefühlen verknüpft, sodass ich auch wenn ich sie nie trage, sie nicht entsorgen konnte. Da hilft es, sich klar zu machen, das Erinnerungen durch zwanzig Eventshirts nicht besser werden oder auch eine ehrliche zweite Person, die einem verrät, wenn man furchtbar in einem Teil aussieht.
Wieder einen Berg für die Kleiderspende. Nur blöd, wenn einem das erst klar wird, nachdem man die Teile schon in Kisten gepackt in die neue Wohnung geschleppt hat...

Überfluss erkennen
Wie viele Socken und Unterhosen hat man eigentlich regelmäßig in Gebrauch? Mit nur zwei Füßen kann man die eingelagerten 100 Paar Sneakersocken und Normalstrümpfe plus zwanzig Paar handgestrickte Wollsocken gar nicht alle tragen. Und so genauso wenig braucht man 60 Schlüpfer. Also hab ich mich einmal durch den Stapel gewühlt, die älteren Modelle allesamt raus geschmissen und bin jetzt sehr erleichtert, nicht mehr von der riesigen Auswahl überfordert zu sein, sondern stattdessen genau zu wissen, was in meinen Schubladen liegt. Nicht, dass die Hälfte der vorher besessenen Dinge jetzt wirklich wenig wäre, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Ehrlichkeit sich selbst gegenüber
Auch wenn das Traumfängerbastelset und das Buntpapier oder die Pastellkreiden quasi originalverpackt waren und nur dazu einluden, kreativ zu werden, habe ich sie nie angefasst, seitdem ich sie nach meinem letzten Umzug in die Schublade sortiert hatte.
Aktuell habe ich in meinem Alltag nur wenig Zeit für meine geliebten kreativen Hobbys und meine Nummer eins, was das angeht, ist unangefochten das Stricken. Die Wollschublade wird regelmäßig geöffnet und mit glückselig-irrem Grinsen durchwühlt, aber alle anderen Bastelutensilien werden ignoriert.
Dementsprechend habe ich sie schweren Herzens an eine Freundin weiter gegeben, die in ihrem Künstlertreff bessere Verwendung für die Materialien finden wird. Vor vier Jahren war ich vielleicht noch der Mensch, der all diese Sachen mit Freude selbst kreativ benutzt hätte, doch inzwischen habe ich mich einfach in eine andere Richtung entwickelt, sodass es nur logisch ist, mich von diesen Dingen zu trennen, die zum Schluss nur noch Platz weg nahmen.

Sort as you go
Inzwischen glaube ich nicht mehr daran, dass man in einer großen Ausmistaktion wirklich alle Dinge aussortieren kann, die man nicht braucht. Manchmal erkennt man erst im Alltag, dass die gemütliche Strickjacke schon viel zu fusselig ist, um sich dafür nicht zu schämen und kann sie dann zur Kleiderspende bringen. Man muss erst frustriert mit dem billigen Küchentuch versuchen, ein Glas zu polieren, bis man sich selbst gegenüber ehrlich genug sein kann, dass man es loswerden sollte zugunsten der (*hust* übrigen vierzehn *hust* ) guten Tücher. Und so kann man auch Schritt für Schritt ohne zusätzlichen großen Zeitaufwand die Wohnung und den Inhalt der Schränke optimieren.

Es ist ein Prozess
Am Ende des Umzugs stand ich da mit noch einer Kiste voller Kram. Sentimentale Gegenstände wie alte Postkarten mit berührenden Worten von lieben Menschen, einen Haufen handgeschriebener Tagebücher, Muscheln aus vergangenen Strandurlauben und Kosmetikpröbchen in einer Menge als wäre ich ein Drogeriekleinhandel. Wohin damit? Es sind Dinge, die im täglichen Leben nicht wirklich benötigt werden und deshalb spontan auch keinen Platz fanden.
Ob es mir aufgefallen wäre, wenn meine Muscheln oder die Pröbchen beim Umzug verloren gegangen wären? Sicher nicht.
Die Karten und die Tagebücher haben für mich einen zu hohen persönlichen Wert, um sie einfach zu entsorgen auch wenn ich sie nicht jede Woche in die Hand nehme. Alles andere aber hat keine gute Erklärung dafür, bleiben zu dürfen.
Pröbchen, Kerzenhalter und ähnlichen Kram kann ich leichten Herzens zum Schenkflohmarkt bringen auf dass jemand mehr Freude daran hat. Aber bis ich erkenne, dass meine Urlaubserinnerungen nicht besser werden, nur weil ich eine Tüte Muscheln hier stehen habe, dauert es noch ein wenig.

Nach meinem letzten großen Aussortieren vor einem Jahr dachte ich, dass ich unglaublich weit in der Optimierung meines Besitzes wäre. Mir war nicht klar, wie weit diese Vorstellung von der Realität abwich. Umzüge sind die perfekte Gelegenheit, sich aktiv auseinanderzusetzen, was man wirklich besitzen will und was man nur aus Gewohnheit im Schrank lagert. So haben dieses mal acht Umzugkartons statt wie beim letzten mal dreizehn gereicht, um meine Sachen zu transportieren.
Damit habe ich noch immer eine ordentliche Menge an Dingen aber ich fühle mich viel wohler mit dem, was ich habe und mit dem was ich nicht mehr habe und das so auch nicht mehr herum liegen kann.

Das beste am ganzen Aussortieren ist nämlich, am Ende keine überfüllten Schubladen zu haben, genau zu wissen, wo was in der Wohnung liegt und sich nicht mit dem herum plagen zu müssen, was man gar nicht braucht und was dennoch die Oberflächen und Schränke blockiert.
Es ist alles ein Prozess und auch wenn ich gerade einen riesigen Fortschritt gemacht habe, wird es noch eine ganze Weile dauern, bis ich am Ziel angekommen bin, insofern es denn überhaupt ein Ziel beim Minimalismus gibt, da es ja am Ende eine Lebensweise ist. Bis dahin genieße ich den Zwischenstand und denke daran, ab und zu etwas auszusortieren und mir dafür mental auf die Schulter zu klopfen, dass ich so weit gekommen bin. Auch wenn ich mich mit all den Dingen, die ich so habe, mich nicht öffentlich als minimalistisch bezeichnen würde.

Wie geht es euch mit dem Aussortieren nachdem der einfache Teil schon erledigt ist?

Samstag, 18. März 2017

Fromage, fromage!: Reiseeindrücke aus Paris

Es sind Semesterferien und damit ist Zeit für eine Reise. Oft lasse ich mich ja von den aktuellen Flugpreisen inspirieren, was das nächste Reiseziel angeht, doch dieses mal war ich mir schon vorher sicher: ich wollte meine Angst überwinden und nach Paris reisen.

Nun fragt sich: weshalb denn Angst, nach Frankreich zu fahren?! Immerhin ist es ja weder weit weg noch sonderlich exotisch.
Ganz einfach lässt sich diese Frage beantworten. Natürlich ist Frankreich ein zivilisiertes Nachbarland, doch in der Schule habe ich nie Französischunterricht gehabt und da es immer heißt, die Franzosen würden alles andere außer ihrer eigenen Sprache verachten und meiden, habe ich Frankreich als Reiseziel einfach mal von meiner mentalen Liste gestrichen. Hilft ja nix, wenn es hübsch da ist aber die Einheimischen die Kommunikation mit mir verweigern.
Irgendwann habe ich aber erfahren, dass in Paris die staatlichen Museen für unter 25 jährige EU Bürger kostenlos zu besuchen sind und da mich die Hauptstadt des Nachbarlands mit der merkwürdigen Nasalsprache dann doch schon interessierte, habe ich beschlossen, vor meinem 25. Geburtstag dort hin zu reisen. Und genau das habe ich kürzlich umgesetzt.

In diesem Artikel möchte ich euch ein paar meiner Eindrücke aus Paris zeigen und gleichzeitig einige Besuchempfehlungen aussprechen.
Angereist sind wir mit dem Flugzeug und ich kann nur immer wieder betonen, wie genial es ist, mit Handgepäck zu reisen. Keine Extrakosten zum Einchecken, man macht sich bewusst, was man wirklich braucht und einpacken will und noch dazu kann man ganz bequem alles immer dabei haben. So kann man sich auch direkt den Rucksack über werfen und vom Flughafen aus sofort das Abenteuer in der Stadt beginnen.

Just walk
Wie immer gilt für das Besuchen von Städten, dass man zu Fuß durch die Straßen laufend die Atmosphäre am besten mitbekommt. Noch dazu kann man ganz spontan anhalten, in Geschäfte rein schnuppern oder auf andere Verkehrsmittel wechseln. Und es ist mindestens so gesund wie kostengünstig.
Jede Stadt scheint so ganz typische Bauweisen zu haben und für Paris sind das definitiv die hohen Altbauten mit schmalen Fenstern vor denen ein eisernes Gitter befestigt ist. Auch interessant: die Deckenhöhe der Altbauten ist niedriger als das, was ich aus Berlin gewohnt bin.
Wenn man die Sprache nicht versteht, kann das zu sehr viel Frust aber auch zu lustigen Situationen führen. Zum Beispiel, wenn man sich wundert, weshalb unter Straßenschildern regelmäßig SAUF steht. Ist das etwa ein Trinkspiel für Verkehrsteilnehmer?!
Das Wörterbuch gibt Entwarnung und verrät, dass es ganz langweilig ist und nur "außer" bedeutet. Trotzdem absurd für deutschsprachige Personen ohne Französischkenntnisse.

Der Triumphbogen



Le Parthenon

Notre Dame 

Boulangerie, Boulangerie, Boulangerie!

Also wenn man sich vornimmt, sich vor dem Urlaub nur zehn grundlegende französische Wörter wie Hallo, Bitte, Danke und Auf Wiedersehen anzueignen, sollte man absolut darüber nachdenken, den Begriff "Boulangerie" zum Vokabular hinzuzufügen. Denn das bedeutet Bäckerei, was in Frankreich nicht nur Verkaufsort schnöder Brötchen bedeutet, sondern Quelle von unverschämt fluffigem Gebäck und sündhaft guten Süßigkeiten.
Ohne Witz: so gutes Hefegebäck (Fachbegriff: Brioche) habe ich noch nie gegessen. Dank der Unmengen an Boulangerien konnten wir auch jeden Morgen einen neuen Bäcker ausprobieren.

Meine persönliche Top 5 der Bäckereieroberungen:
  1. fluffig-saftiges Brioche
  2. Tarte au Citron
  3. gefüllte Eclairs
  4. Macarons: völlig überteuert aber eben doch verdammt lecker.
  5.  außen knuspriges, innen weiches Baguette


Tarte au Citron, Brioche, Baguette, Macarons, Eclair!

Um an all diese Leckereien zu kommen, habe ich auch mein bestes Fantasiefranzösisch ausgepackt und mit "Un brioche y …äh…et…un baguette por favor…sil vous plä!" irgendwie am Ende tatsächlich das bekommen, was ich wollte. Schon krass, wie sehr das Hirn einfach spanisch sprechen möchte, wenn die Vorgabe ist, dass Englisch sowieso nicht funktioniert.

Mich auch wirklich überrascht, wie wenig weit man mit Englisch kam. Noch nie habe ich die Sprachbarriere so hart zu spüren bekommen.
In den extrem stark von Touristen besuchten Orten wie Museen konnten die Mitarbeiter schon grundsätzlich die regelmäßig verwendeten Phrasen aber alles darüber hinaus ging gar nicht. Und in den normalen Supermärkten schien nahezu niemand englisch zu sprechen und wenn dann nur sehr gebrochen. Leider galt das auch für die jüngeren Leute, von denen ich wirklich nicht gedacht hätte, dass sie ohne nennenswerte Englischkenntnisse durchs Leben gingen.
Die ganzen Klischees und Vorurteile zum Thema Sprache scheinen tatsächlich nicht ohne Grund zu existieren.


Haute Cuisine
Eins der wenigen französischen Wörter, die ich noch kenne ist Haute Cuisine. Das bedeutet nicht - wie man auf den ersten Blick meinen könnte - verdroschene Tochter des Onkels, sondern (hoffentlich) hohe Küche und damit Kochkunst. Und das haben die Franzosen auch drauf.
Zwar ist das Essen durchschnittlich definitiv teurer als in Deutschland aber auch im Durchschnitt besser. Am Essen wird nicht geknausert und das schmeckt man.

Die Flammkuchen aus der Bäckerei sind nicht wie die gewöhnliche Ditsch Pizza nur fettig und kostengünstig in Massenproduktion vorgebacken sondern haben eine wirklich gute Teigbasis, sind mit richtigem Käse belegt und perfekt gewürzt.
Dank meiner Vorliebe für Essen habe ich gelernt, dass eine Brasserie ein Zwischending zwischen Restaurant und Bar ist. Man kann sich zum Drinks schlürfen verabreden aber gleichzeitig etwas besseres als nur einen Snack zu essen bekommen.
Das haben wir ausgenutzt und uns in einer Brasserie durch die Karte probiert. Und was läge näher als bei im Alltag nahezu ausschließlich vegetarischer  Ernährung das Steak Tartar zu probieren? So rohes, klein gehacktes Rind mit Gewürzen klingt spontan nicht zu verlockend, doch ich muss zugeben, dass es mich geschmacklich absolut überzeugt hat. Die Sache mit dem Essen haben die Franzosen halt echt drauf. Und Süßspeisen sowieso. Arme Ritter aus Baguette mit Salzkaramell aka pain perdu (Apfelkern Translator: verlorene Schmerzen) waren einfach göttlich. Reisen nach Frankreich sind offensichtlich kein guter Moment, Kalorien zählen zu wollen.

Pain perdu, Steak tartare, Flammkuchen

Meine Top Sehenswürdigkeiten
So viel zum Allgemeinen. Was sind nun aber die Sehenswürdigkeiten, die ich zu besuchen empfehlen würde?

Tour Montparnasse
Den 210 Meter hohen an sich nicht besonders gut aussehenden Turm kann man während man durch den Stadtkern läuft fast immer sehen. Wenn man sich dann gönnt, die Eintrittsgebühr von unverschämten 15 Euro beziehungsweise noch immer überteuerten 12 Euro für Studenten, kann man von der Spitze des Turms aus die ganze Stadt bewundern.
Wir waren zufällig genau zum Sonnenuntergang dort, sodass wir einmal die Stadt mit den wirklich gut sichtbaren berühmten Bauwerken einmal im Tageslicht und direkt danach in beleuchteter Pracht unterm Nachthimmel bewundern konnten. Perfekt, um Bilder von Paris zu machen, auf denen man den Eiffelturm auch sehen kann.

Auf dem Dach gibt es auch noch eine kleine Eislaufbahn, die immerhin im Eintritt ingbegriffen ist. Aber Achtung: als ich voller Freude in Schlittschuhen auf die Bahn hüpfte, fiel mir direkt auf, dass es sich gar nicht um Eis, sondern um Kunststoffplatten handelte. Darauf ließ es sich absolut nicht gleiten; das einzig mögliche Manöver war, ständig weg zu rutschen. Keine Empfehlung für die Kunststofflaufbahn aber dafür eine umso größere für die Aussicht vom Turm.






Louvre
Wenn eins der zahlreichen Museen in Paris sich weltberühmt nennen darf, dann ist es definitiv das Louvre. Es ist eins der größten Museen der Welt und von außen betrachtet noch dazu eins der Wahrzeichen von Paris. Nachdem man kostenlos zahlreiche Bilder von den Glaspyramiden des Louvre gemacht hat, kann man als junger Mensch kostenlos oder für 15 Euro durch eine Pyramide dieses gigantische Kunstsammlung betreten. Von Plastiken, Skulpturen über Altäre und Gemälde kann man sich in einem wahren Überfluss an Kunst satt sehen. Auch wenn man nach ein paar Stunden absolut nicht mehr aufnahmefähig ist, wenn es darum geht, meisterhafte Kunst wertzuschätzen, sollte man sich die Mona Lisa nicht entgehen lassen. Es lohnt sich allein schon, um die sich davor drängenden Menschen zu beobachten. Wirklich sehr interessant, was manche Leute so machen, um ein Foto von sich vor der Mona Lisa ohne andere Personen im Bild zu bekommen.

Vor dem Louvre

Suchbild: Wo ist die Mona Lisa nur?

Sacre coeur
Auf der höchsten natürlichen Erhebung, dem Montmatre, sieht man schon aus der Entfernung eine helle orientalisch anmutende Kirche mit Zwiebeltürmchen. Zu Fuß gelangt man über schmale Treppen auf den Montmatre, alternativ bringt einen auch eine Seilbahn nach oben. Dort angekommen kann man eine großartige Aussicht genießen und nachdem man sich genug Wind um die Nase wehen lassen hat auch in den Sakralbau hinein gehen.
Der Eintritt ist - wie es sich meiner Meinung nach für Gotteshäuser auch gehört - kostenlos. Innen kann man dann das prächtige Deckenmosaik betrachten. Allein die Größe der katholischen Wallfahrtskirche ist beeindruckend.


Versailles
Nicht ganz innerhalb der Stadt gelegen ist das prachtvolle Schloss von Versailles, einstiger Sitz des französischen Königs bis zum Ausbruch der Revolution. Wenn es ein Beispiel für barocke Baukunst gibt, das immer wieder aufgeführt wird, dann ist es der perfekt geometrisch und symmetrisch angelegte Schlossgarten in dessen Mitte das prunkvoll dekorierte Schloss steht. Selbst die verschwenderisch vergoldeten Zaunspitzen können einen nicht darauf vorbereiten, was für eine verschwenderische Fülle von Kunst einen im Inneren erwartet. Minimalist war der gute Sonnenkönig Ludwig absolut nicht.
Durch die überwältigenden Empfangssäle, Schlafgemächer, Spiegelsäle oder Esszimmer zu spazieren und sich vorzustellen, was für ein Wahnsinn das Leben dort zu Zeiten Ludwig des XIV. gewesen sein muss, ist absolut verrückt.
Im Anschluss durch den Schlossgarten zu wandeln und Menschen beim Rudern auf dem hunderte Meter langen Teich zu beobachten hilft dabei, die Augen ein bisschen zu beruhigen nach den ganzen Eindrücken.
Mit der Regionalbahn lässt sich Versailles vom Stadtzentrum aus in etwa einer halben Stunde erreichen und die Fahrt ist mit knapp vier Euro pro Strecke auch absolut erschwinglich.

Schloss...

…und Garten
Der bisher noch nicht erwähnte Eiffelturm ist eins der bekanntesten Pariser Wahrzeichen und beeindruckend anzusehen aber unterm Strich auch nicht so überwältigend. Das verrückteste ist einfach das Gefühl, plötzlich direkt unter einem Gebäude zu stehen, dass man schon so oft auf Bildern oder in Videos gesehen hat. Bei Nacht in Beleuchtung wirklich gut anzusehen ist der Eiffelturm auch, doch am Ende wäre es mir keine 17 Euro wert, mit dem Fahrstuhl bis auf die Spitze zu fahren.

Aufgefallen sind mir auch die zahlreichen schwer bewaffneten Streitkräfte, die einfach auf der Straße stehen als wäre es normal. Kenne ich aus Deutschland gar nicht und empfand es dementsprechend als irritierend und beunruhigend. Ich durfte sogar erleben, wie sie unverständliche Dinge auf Französisch rufend über einen Platz gerannt kamen und die Einheimischen einfach entspannt weg schlenderten, während ich mich völlig hilflos und verletzlich fühlte, weil ich schon gar nicht verstand, was sie überhaupt riefen. Absolut gruselig.

Alle Klischees vereint auf einem Bild

Unterm Strich kann ich ein klares Fazit ziehen: Paris ist definitiv den Besuch wert! Die Sprachbarriere ist vorhanden und das in einer erschlagenden Stärke aber auch mit Fantasiefranzösisch verhungert man nicht. Allein schon das Erlebnis, plötzlich mit Englisch nicht verstanden zu werden, ist die Reise wert.
Also - egal ob Französischkenntnisse oder nicht, wagt euch nach Paris, denn dort gibt es mehr als nur kitschige Heiratsanträge an jeder Ecke oder Baguettes unterm Eiffelturm.